Der Hexenmeister wird gestört

From Pasakas un teikas
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Vier Bauern lebten in naher Nachbarschaft. Drei von ihnen waren sehr arm, der vierte war reich. Die Pferde der Armen waren sehr mager und hatten zottiges Fell; ihre mageren Kühe gaben nur wenig Milch. Ihre Schafe hatten spärliche Wolle, sie waren lahm und krank. Die wohlgenährten Pferde des Reichen glänzten hingegen; seine fetten Kühe gaben viel Milch und die Schafe hatten so dicke Wolle wie die Bären. Der reiche Bauer hatte einen alten Vater, den die Leute für einen Hexenmeister hielten. Am Heiligabend hatte man auf dem Hof eines der Armen bereits die Badestube geheizt. Auch von den anderen Höfen kamen Leute, um sich dort zu waschen. Es war schon spät. Als die letzten Frauen kurz nach Mitternacht vom Bad heimgingen, erblickten sie im Stall einen Lichtschein. Sie erzählten es dem Bauer, der sich sogleich mit den Knechten dorthin begab. Und — welch eine Überraschung! — im Stall fanden sie den Vater des Reichen. Er trug einen Lodenrock und schnitt den Schafen mit einer kleinen Schere Wolle aus der Stirn. In seinen Taschen befanden sich schon Fellhaare von Kühen und Pferden. Als die Knechte den Stall betraten, erschrak der Alte sehr. Sie nahmen ihn fest und brachten ihn ins Haus. Dort zogen sie ihm den neue Rock aus und zerschnitten ihn in kleine Stückchen. Dann entließen sie ihn nach Hause. Der Alte lag drei Jahre lang krank, dann starb er. Seitdem gedieh das Vieh der Armen, aber mit der Wirtschaft des Reichen ging es bergab; die Ernte missriet, das Vieh kränkelte.

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