Wohlgesinnte Zauberer

From Pasakas un teikas
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In alter Zeit, als die Leute noch glaubten, dass die Helfer des Teufels oder die Knechte des Bösen in der Lage seien, mit ihren teuflischen Künsten ehrliche Menschen zu behexen oder ihnen selbst und ihrem Vieh Schaden zuzufügen, gab es viele Hexenmeister und auch viele "Enthexer", weise Menschen, die es vermochten, die böse Absicht des Hexenmeisters unschädlich zu machen oder gegen ihn selbst zu richten. Die Hexenmeister pflegten nachts vor die Tür ihrer Nachbarn oder vor ihren Ställen, auch in den Ställen selbst, die sogenannten "Mitbringsel" auszulegen: Mitunter war es ein Stofffetzen, ein Woll- oder Haarbüschel, ein altes Stück Leder und ähnliches Zeug. Wenn die Hausbewohner solches am nächsten Morgen entdeckten und es mit behandschuhter Hand aufhoben und fortwarfen, dann konnte sich die Absicht des Hexenmeisters nicht erfüllen. Trat jedoch ein Mensch mit nackten Füßen oder sein Haustier darauf, so ereilte ihn das Unheil, das der böse Hexenmeister ihm tatsächlich hatte anhexen wollen. Um dem zu entgehen, musste man sich unverzüglich zu einem "Enthexer" begeben.

In der Badestube eines Bauernhofes lebte einmal ein alter Mann, der ein großer Hexenmeister war und mit dem Teufel im Bunde stand. Deshalb, hüteten sich die Leute jener Gegend den Alten zu verärgern. Sie trachteten danach, seine Gunst zu erringen, um nicht von ihm behext zu werden. Wenn jemand einen Feind hatte, an dem er sich rächen wollte, so brauchte er nur zu dem alten Badstübner zu gehen, ihm eine Flasche Branntwein oder etwas anderes zu bringen und ihn zu bitten, den anderen auf die und die Weise zu behexen. Der Alte besorgte es aufs Beste.

In naher Nachbarschaft lebte in der Badestube eines weiteren Bauernhofes ein anderer alter Mann, der dadurch berühmt geworden war, dass er Zauberkünste abwenden oder "enthexen" konnte. Er wurde von den Leuten jener Gegend genau so verehrt, wie der andere gefürchtet wurde. Wenn der Hexenmeister einem Menschen eine Krankheit oder ein Übel angehext hatte, so brauchte man nur zu dem anderen Alten zu gehen, ihm eine kleine Gabe zu bringen, und er sorgte sogleich dafür, dass der Behexte wieder erlöst wurde und das Übel sich gegen den Hexenmeister wandte. Es ist verständlich, dass der Hexenmeister seinen Widersacher hasste und immerzu grübelte, wie er ihn unschädlich machen oder am besten ganz beseitigen könne. Der Enthexer war jedoch sehr geschickt und pflegte zu sagen, dass der Hexenmeister seine Künste vom Teufel, er seine jedoch von Gott habe, deshalb seien seine Künste machtvoller und stärker. An den Enthexer selbst wagte sich der Hexenmeister nicht heran, denn er wusste sehr wohl, was der andere zu tun vermochte, deshalb belästigte er oft den Bauern, auf dessen Hof der andere lebte. Oft waren seine Schafe in der Nacht geschoren, die Krippen der Kühe umgekippt und die Kühe an den Schwänzen angebunden worden. Vor dem Stall oder vor dem Wohnhaus fand man oft "Mitbringsel". Seine Mühen nutzten dem Hexenmeister aber nichts — der andere verdarb seine Absichten, aber er konnte das Hexen dennoch nicht lassen. Der Enthexer ermahnte seinen Bauern, dass er, sobald er wieder etwas gefunden habe, was auf seinen Hof gebracht worden sei, es nicht selbst beiseiteschaffe, sondern es ihm, dem Alten, gleich melde. Am nächsten Morgen berichtete der Bauer ihm, dass er vor der Speichertür zwei ausgetretene Bastschuhe gefunden habe. Der Alte folgte ihm sogleich, betrachtete die Bastschuhe und sagte: "Ganz recht, das sind wieder Mitbringsel! Er steckte die beiden Schuhe in eine alte Radbüchse, deren beide Enden er verspundete. Dann zog er Kreuze auf die Spundhölzer. Danach ermahnte er den Bauern, den Nachbarn nichts zu geben, falls jemand von ihnen auf dem Hof erscheinen sollte, sondern er sage ihnen nur: "Die Bastschuhe sind bei meinem Badstübner!"

Der Alte nahm die verspundete Radbüchse mit in die Badestube. Bald darauf kam die Frau des benachbarten Badstübners und bat den Bauern um etwas Feuer — ihr eigenes sei in der letzten Nacht erloschen. Damals gab es noch keine Streichhölzer. "Die Bastschuhe sind bei meinem Badstübner", antwortete der Bauer und wies ihre Bitte ab.

Nach einer Weile kam die Frau des Hexenmeisters wieder zu diesem Bauern und bat ihn unter Tränen, ihr für ihren kranken Mann eine Arznei zu geben, aber er gab ihr nichts. Als sie noch ein drittes Mal kam, sagte er: "Nur bei meinem Badstübner kannst du die Arznei bekommen, die deinem Alten helfen wird."

Währenddessen ließ der alte Badstübner die Radbüchse in der Ofenglut schwelen und wusste sehr wohl, dass der Hexenmeister die Hitze, in der die Radbüchse glühte, ertragen musste. Hätte der Bauer jedoch die Frau des Hexenmeisters nicht abgewiesen, dann wären die Bemühungen des alten Badstübners vergeblich gewesen.

Der Hexenmeister lag krank auf seinem Lager und stöhnte sehr. Er klagte, dass sein Leib brenne und dass er große Schmerzen erleiden müsse. Als seine Frau auch nach dem dritten Besuch beim Bauern, der den Enthexer beherbergte, zurückgekehrt war, ohne etwas mitzubringen, schickte der Zauberer sie zur Badstube zu seinem ärgsten Feind. Sie eilte zu dem Alten und flehte ihn an: "Um Gottes willen, schone meinen Mann. Er leidet große Pein. Verbrenne ihn nicht bei lebendigem Leibe."

"Ich werde mich seiner erst dann erbarmen, wenn er zu mir kommen und mir gestehen wird, was er angestellt hat. Dann muss er mir noch versprechen, es nie wieder zu tun und von seinen Teufelskünsten nie mehr Gebrauch zu machen. Damit er zu mir kommen kann, werde ich sein "Mitbringsel" aus dem Feuer nehmen. Dann werden seine Schmerzen sofort vergehen."

Die Frau eilte nach Hause, es ihrem Mann, dem Hexenmeister, zu berichten. Sie fand ihn gesund und munter, weil der Alte die Radbüchse mit den Bastschuhen aus der Glut geholt hatte. Aber da war nichts zu machen, der Hexenmeister musste sich auf den Weg machen und seinen ärgsten Feind anflehen.

Der Hexenmeister gestand dem Alten, dass er dessen Bauer mit seinen Zauberkünsten geärgert hatte und versprach, es nie wieder zu tun.

"Damit du dein Versprechen hältst, werde ich die Radbüchse hier bei mir behalten," sprach der Alte. "Sobald es dir einfallen sollte, deine Zauberkünste zu wieder treiben, werde ich die Radbüchse erneut in die Glut werfen. Was dann geschehen wird, das weißt du jetzt ja."

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