Wohlgesinnte Zauberer

From Pasakas un teikas
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Comments: Diese Sage ähnelt dem Märchen Nr. 17 aus Bd. III (S. 426-431). P. Š.


Diese Begebenheit hat sich in Russland zu der Zeit zugetragen, als die Soldaten noch auf einzelnen Höfen in Quartier lagen. Jeder Bauer musste einem Soldaten eine Schlafstelle geben, und solche, die einzeln auf Bauernhöfen untergebracht waren, nannte man damals "Einsitzer". Das wäre nun das. Drei Höfe befanden sich in naher Nachbarschaft. Auf zwei Höfen waren Soldaten einquartiert, auf dem dritten aber lebte ein Bauer, der als großer Hexenmeister bekannt war und bei dem kein Soldat lebte. Der Hexenmeister verheiratete seine Tochter und richtete eine große Hochzeit aus. Er lud die beiden Nachbarn zu der Hochzeit ein, die Soldaten dagegen nicht. Am Morgen des Hochzeitstages machte sich der eine Bauer bereit, um zur Hochzeit zu gehen, und sprach zu seinem Soldaten: "Hier hast du einen halben Stof Branntwein, trink und freue dich, aber komm nicht zur Hochzeit. Der Bauer, der heute seine Tochter verheiratet, ist ein großer Hexenmeister. Wenn du uneingeladen zur Hochzeit gehst, wird er dich verhexen!" Dasselbe sagte auch der andere Bauer zu seinem Soldaten und gab ihm ebenfalls einen halben Stof Branntwein. Der erste Soldat trank von seinem Schnaps und wurde fröhlicher. Schließlich dachte er sich, er könne ja auf den Nachbarhof zu seinem Kameraden gehen und mit ihm zusammen trinken. So ging der erste Soldat mit seinem Schnaps auf den Nachbarhof zu dem zweiten. Auch den andere hatte seine Flasche bereits zur Hälfte geleert. Beide stellten ihre Flaschen auf den Tisch und tranken, bis sie leer waren. Da sagte der eine Soldat zum anderen: "Wenn der Bauer kein Hexenmeister wäre, könnten wir uns in der Dämmerung doch noch unter die Hochzeitsgäste mischen. Aber jetzt können wir ja wohl nicht gehen, er kann uns beide verhexen." – "Unsinn!“, sagte darauf der andere: "Er kann uns gar nichts antun. Komm nur mit und passe auf: Nimm nichts ohne meine Erlaubnis und achte darauf, was ich tun werde." So begaben sich beide zur Hochzeitsfeier auf den Hof des Hexenmeisters. Als dieser die beiden Soldaten bemerkte, die — ungeladen — gekommen waren, sprang er vom Tisch auf, ergriff eine Flasche und ein Glas und ging ihnen entgegen. Zuerst ging er auf den Soldaten zu, der selbst ein großer Schlaukopf war. Er wusste genau, dass der Hexenmeister das Glas verhext hatte und dass es ihm schlimm ergehen würde, wenn er daraus trinken würde. Der Soldat nahm das Glas nicht entgegen und sagte: "Der Gastgeber trinkt zuerst!" Der Hexenmeister aber trank nicht. Da nahm der Soldat ihm das Glas aus der Hand und schüttete den Inhalt auf den Fußboden. Sogleich entstand an der Stelle eine schwarze Schlange, die eilig unters Bett kroch. Jetzt füllte der erste Soldat das Glas und reichte es dem Hexenmeister. Sobald der das Glas geleert hatte, spie er alle seine Zähne auf den Fußboden aus. Er hob seine Zähne vom Fußboden auf, steckte sie wieder in den Mund und nun war alles wieder in Ordnung. Da sagte der Soldat zu dem Hexenmeister: "Willst du mit mir unsere Kräfte messen?" Ja, der Hexenmeister war damit einverstanden. "Kannst du jemanden behexen und ihn dann wieder heilen?" fragte ihn der Soldat. Ja, der Hexenmeister sagte, er könne jemanden sowohl behexen als auch heilen. Da ließ der Soldat einen Rettich holen. Als dieser gebracht wurde, sagte er zum Hexenmeister, er solle mit seiner Kunst den Rettich ganz schwarz machen. Der Hexenmeister hexte und der Rettich wurde ganz schwarz. Nun verlangte der Soldat, er solle den schwarzen Rettich in einen ganz weißen Rettich zurückverwandeln. Der Hexenmeister hexte und sagte, jetzt sei der Rettich wieder ganz weiß. Da schaute sich der Soldat den Rettich an und sah, dass die Mitte des Rettichs noch schwarz war. Jetzt zauberte der Soldat und nun wurde der weiße Rettich ganz schwarz; danach verwandelte er ihn in einen ganz weißen Rettich zurück. Der Hexenmeister vermochte das nicht. Da begann der Soldat ihn auszuschimpfen und zu verspotten: Was sei er denn für ein Hexenmeister, der einen nur krank und nicht wieder gesund machen könne. Der Soldat verhöhnte ihn auf verschiedene Art, und der Gescholtene konnte gegen ihn nichts ausrichten. Schließlich gab der Soldat dem Hexenmeister eine Ohrfeige und dann noch eine und ging dann lachend nach Hause.

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