Die Eigenschaften der Hexen

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Comments: J. A. Jansons in Vandzene hat eine Sage aufgeschrieben, in der die Frau eines Friedhofswächters gern zur Hexe ausgebildet werden wollte. In der Sammlung A. Bielenstein findet man eine Sage aus Ranka, in der gesagt wird, dass die Hexe stets geschwächt wurde, wenn jemand versehentlich eines ihrer 12 Hörner abbrach. Sie wurde wieder gesund, als ein kleines Mädchen ihr vom Nachbarhof etwas zu trinken brachte (VI, 7, 13). K. Tarzieris, Druviena, hat eine absichtlich erdachte Sage aufgeschrieben (LP, V, 9, 21.) P. Š.


Einmal knetete eine Bäuerin am offenen Fenster Brotteig. Da flog ein Huhn durch das offene Fenster herein. "Usch! Wenn dich doch der Habicht holen würde, kannst du denn nicht auf dem Hof scharren!" Und seht: In demselben Augenblick stürzte sich ein Habicht auf das Huhn herab und riss es. "Das ist ein unglücklicher Tag heute," sagte die Bäuerin bei sich, "die Flüche erfüllen sich." Und sie schnitt ein Zeichen in die Fensterbank an der Stelle, wo der Sonnenschatten fiel, um später zu wissen, um welche Zeit sie das Huhn verflucht hatte. Ein anderes Mal rief die Bäuerin aus: "Seht nur die große Ratte, die unsere Katze herbeischleppt!" Aber sie hatte sich verguckt: Es war keine Ratte, die Katze trug ihr eigenes Kätzchen. Doch die Kater, die die Worte der Bäuerin gehört hatten, bissen das Kätzchen wie eine Ratte tot. Sie schnitt auch diesmal ein Zeichen in die Fensterbank. Eines Tages wollte sie ein Lamm in den Stall treiben, aber es riss immer wieder aus. Da rief sie in ihrem Zorn: "Du Dummkopf, wenn dich doch der Wolf holen würde!" Plötzlich war dieser zur Stelle und trug das Lamm davon. Auch diesmal schnitt die Bäuerin ein Zeichen in die Fensterbank, und nun wusste sie genau, an welchen Tagen und zu welcher Stunde Verwünschungen in Erfüllung gingen. Später lernte dieselbe Bäuerin, wie man noch weiteren Schaden anrichten, aber auch, wie man Schaden heilen und rückgängig machen konnte. Aber dies ist ja nun einmal wahr: Wer Behexte erlösen kann, der versteht auch selbst zu hexen. So kann man wohl sagen, dass auch die erwähnte Bäuerin nicht astrein war. Das Beste jedoch, was sie in ihrem Leben vollbracht hatte, war die Tat, mit der sie den jähzornigen Gutsverwalter belehrt hatte. Einmal kam dieser zu ihr geritten und sagte spöttisch: "Nun, Hexe, ich möchte doch sehen, ob du mein Pferd auch behexen kannst!" – "Gut, gut, Herrchen, wenn du es so haben willst, so kannst du es bekommen, aber heute ist kein Unglückstag — du erlebst es ein anderes Mal. An einem anderen Tag ritt der Gutsverwalter stolz über die Felder. Die Bäuerin schaute nach der Fensterbank: Ja, gerade heute und gerade um diese Zeit würde sich eine Verwünschung erfüllen. Sie ging hinaus und sagte zu dem Verwalter: "Möge doch der Wolf dein Pferd reißen!"

In demselben Augenblick sprang ein Wolf aus dem Gebüsch hervor und riss das Reitpferd. Das war dem stolzen Verwalter zu viel: Er befahl den Leuten, das Haus der Bäuerin mit allen Zeichen für ihre Zaubereien niederzureißen.

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