Die Eigenschaften der Hexen

From Pasakas un teikas
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Vor vielen, vielen Jahren, zur Zeit der Leibeigenschaft, lebte im Voikas-Hof von Marijkalns ein großer Zauberer und Hexenhalter namens Kunkulis. Er besaß alles in allem zehn Paar Hexen, die ihm Milch beschafften und deren Hexenbutter er fuhrenweise nach Riga brachte. Einmal fuhr er in Gesellschaft mehrerer Gefährten nach Riga. Ihr Weg führte sie durch einen mehreren Werst langen dichten Wald. Als sie ihn schon zur Hälfte durchquert hatten, blieb das Pferd des Hexenmeisters plötzlich stehen und wollte nicht mehr vom Fleck. Der Zauberer prügelte es zwar mächtig, aber es gehorchte einfach nicht. Die Gefährten warteten lange, aber als das Pferd sich nicht rührte, da dachten sie, der Teufel müsse dabei im Spiel sein, überließen Kunkulis seinem Schicksal und fuhren davon. Während sich dieser mit seinem Pferde abmühte, bemerkte er in der Nähe einen kleinen Fußpfad. Da er mit seinem Pferde vom Weg abweichen wollte, damit es nicht anderen Fahrern hinderlich wäre, bog er auf diesen ein. Sogleich setzte es seinen Gang fort. Jetzt fuhr Kunkulis solange, bis er eine Schmiede erreichte, wo der leibhaftige Teufel arbeitete. Dort blieb er über Nacht, am Morgen aber wollte der Teufel Kunkulis nicht eher loslassen, bis er ihm ein lebloses Wesen versprochen hatte. Kunkulis versprach ihm ein Schwein, einen Stier, aber der Teufel forderte einen Menschen. So versprach ihm Kunkulis einen Sohn und eine Tochter. Als er dann später aus Riga heimkehrte, da waren sein Schwein und sein Stier in den Wald entlaufen und von einem Wolf geraubt worden; seine Tochter war unter großen Qualen gestorben, und sein Sohn hatte den Verstand verloren. Den letzteren rettete der Pastor durch nochmalige Taufe und Einsegnung.

Kunkulis fügte mit seinen Hexen den Nachbarn viel Schaden zu. Zu Johanni schirrte er seinen Grauen an den besten Wagen und lud auf ihn ein Fass Bier und die besten Speisen. Dann rief er seine Frau und beide fuhren zu einem nahen Kreuzweg, wo sie die Hexen speisten und ihnen Befehle erteilten, zu welchen Nachbarn sie gehen sollten, um die Kühe zu melken. Dort rief Kunkulis: "Zipp, zipp, Großer, zipp, zipp, Kleiner, zipp, zipp, Kleinster!" und alsbald kamen aus dem Birkenwäldchen zuerst große Mädchen mit losen Haaren, dann kamen solche von mittlerer Gestalt und zuletzt ganz kleine Mädchen, im ganzen vierzig Paare. Als alle versammelt waren, bewirtete sie Kunkulis, und zuletzt teilte er die Arbeiten aus, indem er die Namen aller Nachbarn im Umkreis aufzählte. Einer von ihnen, der das hörte, konnte seinen Zorn nicht bezwingen, sondern rief: "Wenn jetzt Hexen zu meinen Kühen kommen, werde ich sich mit Quecksilber erschießen." Da wirbelte bloß noch Rauch auf, und von den Hexen war keine Spur mehr vorhanden.

Der Zauberer habe zwei Söhne und zwei Töchter gehabt, von denen er zwei Kinder dem Teufel versprochen hatte, als er nach Riga fuhr. Beide Söhne missbilligten die Gewohnheiten der Eltern und gingen deshalb zu den benachbarten Höfen und erzählten dort von den Eigentümlichkeiten, mit denen sich ihre Eltern zu beschäftigen pflegten. Sie erzählten, dass die Hexen gefüttert würden und ihre Mutter immer Abends viele Schalen nehme und darin eine dünne Schicht Kuhmilch gieße und diese dann in die kudiņa (Aufbau über dem Keller) lege, wo dann die Hexen bis zum Morgen die Schalen voll melkten. Im Winter, erzählten die Söhne von Kunkulis, dass die Hexen des Vaters in den Ställen der Nachbarn herum strichen.

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