Die Hexen verderben das Vieh

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search
Comments: A. Lerchis-Puškaitis in Degolnieki hat eine Sage von A. Blūms aufgeschrieben, in der eine Hexe die Kühe eines Bauern verdirbt. Da suchte der Bauer in Riga einen Wohltäter auf, der sein Vieh erlöste, aber nun wurde die Hexe verrückt (LP, VI, 5, 11). Eine ähnliche Sage hat A. L.-P. in Kroņa-Talsi aufgeschrieben (VI, 8, 15), in der eine Bäuerin den Krugwirt von Īlēni um Rat fragt, wie sie zwei behexte Kühe retten könnte. Er riet ihr, Bänder um den Hals der Kühe zu binden: Danach wurden die Kühe gesund, aber die Hexe wurde krank. P. Š.


Eine Bäuerin der Gemeinde Jaun-Kārķi hatte Pech mit ihren Kühen: Sie wurden immer schwächer und magerer. Zwar pflückte sie gutes Gras am Wegrand und am Feldrain für sie und kochte es zusammen mit Hafermehl. Damit fütterte sie jeden Mittag ihre Kühe, aber es war alles vergeblich: Die Kühe hatten noch um die Zeit der Heumahd ihr dickes Winterfell, und sie gaben Milch, die mager und bläulich war. Doch sogar diese wurde immer weniger. Die Kühe der Nachbarin dagegen, die auf der gemeinsamen Weide gehütet wurden und die man nicht so gut fütterte, waren rund und glatt. Die Nachbarin hatte Milch und Butter in Hülle und Fülle, so dass nicht nur der Bedarf zu Hause gedeckt wurde: Sie konnte oft nach Rūjiena fahren und dort Butter verkaufen. Die Milch der ersten Bäuerin war dünn und ohne Fettschicht, die Butter blass. Sie schmeckte mehr nach Talg. Das Gesinde murrte, dass man es sogar in der Zeit der größten Milchschwemme mit einer Milch nähre, die kaum den Wert der Molke hatte. Der Bauer rügte seine Frau und sagte, sie könne ihre Kühe nicht mehr richtig versorgen und füttern. Die Bäuerin war so verzweifelt, dass sie nicht wusste, was sie machen sollte. In ihrem Kummer besuchte sie eines Tages eine gute Bekannte, die am anderen Ende der Gemeinde auf einem Bauernhof verheiratet war, und klagte der Freundin ihr Leid. "Entweder sind deine Kühe verhext worden oder sie werden von einer Hexe heimlich gemolken," meinte die Freundin. "Das habe ich selbst auch schon gedacht," antwortete die unglückliche Bäuerin. "Aber was soll ich tun?" – "Geh zu dem blinden Ādamiņš und frage ihn um Rat, er wird dir gewiss helfen können." – "Ich befürchte aber, der blinde Ādamiņš wird mir nicht helfen wollen, denn mein Mann kann den Hexenmeister und Besprecher nicht leiden. Als er einmal auf unserem Hof eingekehrt war, hat mein Mann ihn beschimpft und ich durfte ihm nichts zu essen geben. Seit der Zeit hat er sich auf unserem Hof nicht mehr sehen lassen. Bei meiner Nachbarin jedoch, die mit ihren Kühen so viel Glück hat, ist er ein gern gesehener Gast." – "Wenn es so ist, dann wird der blinde Ādamiņš dir wohl kaum einen guten Rat geben", meinte die Freundin. "Ich denke aber, dass man mit List einen Rat von ihm bekommen könnte. Weißt du was? Ich werde an deiner Stelle zu ihm fahren — seine Alte kennt mich nicht — und sagen, dass ich von weit her gekommen bin, seinen Rat zu erbitten." Die unglückliche Bäuerin war damit einverstanden, und die beiden Freundinnen trennten sich. Der blinde Ādamiņš, ein Armer der Gemeinde, hatte eine kleine Hütte auf dem Grund des Jaudavas-Hofes beim Acupuriņš (Augenmoor). Es verging kein Tag, an dem nicht jemand mit irgendeinem Anliegen oder in einer schweren Not seinen Rat gesucht hätte. Am nächsten Tag, nach dem Gespräch der beiden Freundinnen, hielt eine Frau vor der Hütte des Bettlers an. Die Alte des Hexenmeisters kam heraus und erkundigte sich nach dem Anliegen der Fremden. Diese reichte ihm zuerst eine Flasche Kornschnaps, den der blinde Ādamiņš stets erwartete.

Ādamiņš, ein schon betagter Mann, saß auf einer langen Bank an dem kleinen Fenster der Hütte und befahl der Besucherin, sich neben ihn zu setzen. Dann fragte er sie, in welcher Angelegenheit sie gekommen sei. Die Fremde erzählte ihm von ihrem Pech mit den Kühen: Dass die Milch wässrig und knapp sei, obwohl sie das Vieh gut füttere und versorge. "Ist euer Wohnort weit von hier?" fragte Ādamiņš. "Wenigstens dreißig Werst. Ich bin nämlich aus der Gegend von Burtnieki", log die Besucherin. Da blies der Hexenmeister in die mitgebrachte Kornflasche, murmelte unverständliche Worte, nahm einen ordentlichen Schluck aus der Flasche und trieb noch ähnlichen Unsinn. "Hm," brummte er schließlich, "eine Hexe, die in eurer Nachbarschaft wohnt, melkt nachts Eure Kühe. Sie kommt meist in der Gestalt einer Katze oder einer Kröte in den Stall. Ihr müsst einen Stock aus Ebereschenholz besorgen, sich im Stall verstecken und die Kühe im Auge behalten. Kommt ein Vogel, eine Kröte oder eine Katze in den Stall, so müsst ihr das Tier mit dem Stock prügeln, dann wird es nicht mehr weglaufen können. Alles was ihr dem Tier antun werdet, werdet ihr der Hexe selbst antun."

Die Besucherin bedankte sich bei Ādamiņš für den guten Rat und fuhr dann geradeswegs zu ihrer Freundin, die so viel Pech mit ihren Kühen hatte.

Die beiden Freundinnen besorgten sich einen ordentlichen Ebereschenstock und versteckten sich in der nächsten Nacht im Stall. Etwa eine Stunde vor Mitternacht hörten sie in der Luft ein leises Rauschen. Gleich darauf sprang eine schwarze Katze mit glühenden Augen in den Stall. Sie schlich sogleich an den Euter einer liegenden Kuh und begann zu saugen. Die Kuh begann zu stöhnen. Die Freundin der Bäuerin schlich sich an die Katze heran und versetzte ihr einen kräftigen Schlag mit dem Stock. Die Katze ließ sogleich von der Kuh ab, begann sich im Stall zu wälzen und kläglich zu miauen. Da eilte die Bäuerin herbei, riss der Freundin den Stock aus der Hand und verprügelte damit die Katze, in dem sie rief: "Da hast du es, da hast du es, du Milchaussauger!" Die Katze schrie erbärmlich, aber sie vermochte nicht mehr fortzulaufen. "Jetzt hast du genug die Katze geschlagen," sagte die Freundin. "Glaubst du, ich will sie entkommen lassen?" antwortete darauf die Bäuerin. Die Empörte schlang der Katze einen Strick um den Hals, schleifte sie zum Gänseteich und warf sie ins Wasser, wo sie schließlich ertrank.

"Jetzt wird der unreine Geist nicht mehr kommen und meine Kühe peinigen können!" rief sie aus.

Am nächsten Morgen früh kam die Nachbarbäuerin, die die runden und glatten Kühe besaß, angerannt und erzählte jammernd, dass ihre Mutter in der vergangenen Nacht plötzlich erkrankt wäre. Im Fieberwahn sei sie aus dem Bett gesprungen und hinausgelaufen. Ehe sie es noch habe verhindern können, sei die Mutter in den Brunnen gesprungen und ertrunken.

"Aha," rief die Bäuerin aus, die die Katze ertränkt hatte, "und ich habe in der letzten Nacht in meinem Stall die schwarze Katze, die immer nachts meine Kühe leergesogen hat, eingefangen und im Teich ertränkt!"

"Oh weh, oh weh, Nachbarin, dann seid Ihr ja die Mörderin meiner Mutter!" rief die andere aus.

"Es ist keine Sünde, eine solche Hexe zu morden," antwortete die Bäuerin.

Seit dem Tag wurden die Kühe der Bäuerin wieder schnell gesund. Sie begannen gute Milch zu geben. Die Nachbarin aber hatte nicht mehr soviel Milch, wie es bislang gewohnt war. Als der blinde Ādamiņš erfuhr, was geschehen war, wusste er sehr wohl, dass er daran die Schuld hatte, aber er begriff auch, dass es in dieser Fall am besten war, wenn er den Mund hielt und keinem Menschen etwas davon erzählte.

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox