Die Hexen verderben das Vieh

From Pasakas un teikas
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Vor ziemlich langer Zeit bemerkte eine Bäuerin aus Talsi, dass einem Kalb, welches sie von der Kuh entbunden hatte, die Augen schon fast aus dem Kopf fielen. Da rief sie ihre Tochter herbei und sagte: "Du kennst dich im Gebüsch gut aus, laufe nun hin und hole Heilkräuter!" Gesagt, getan. Sie brachte die Kräuter, man verabreichte sie dem Kalb. Am nächsten Morgen spazierte das Jungtier im Stall umher und brüllte; es war wieder gesund. Der alte Pakuliņš aber, der auf dem Bauernhof lebte, wollte sich an der Hexe oder dem Hexenmeister rächen. Ohne der Bäuerin auch nur ein Wort zu sagen, ging er ans Werk: Was tat er? Er schnitt dem kranken Kalb die Ohrenspitzen und die Schwanzspitze ab, kratzte ein kleines Loch in den Schornstein, schob die Schwanz- und Ohrenspitzen in das kleine Loch und mauerte es zu. Weiter tat er nichts — das war alles. Aber am nächsten Morgen schleppte sich die Līze aus der Nachbarschaft auf den Hof: Sie war krank, so krank, dass sie kaum über die Türschwelle gelangte. Die Bäuerin, die keine Ahnung davon hatte, was Pakuliņš getan hatte, wunderte sich: Was fehlt denn nur der Līze? Aber Līze wusste sehr wohl, was sie ausgefressen hatte. Sie setzte sich auf die Mauer und wartete, ob die Bäuerin ihr nichts zu essen anbieten werde. Aber die Bäuerin hatte keine Zeit für Līze — sie musste in den Stall. Während die sie draußen war, listete Līze den Kindern ein Stück Butterbrot ab. Dann eilte sie davon — wieder gesund. Als die Bäuerin gegen Abend wieder in den Stall ging, sah sie, dass das Kalb wieder ganz krank geworden war: Die Augen fielen ihm aus dem Kopf, und die Heilkräuter halfen auch nicht mehr. Man musste es notschlachten und den Raben als Futter hinwerfen. Das hatte die Hexe getan. Die Hexen sind furchtbar: Wo sie hintreten, da wächst kein Gras mehr.

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