Die Hexen verderben das Vieh

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search
Comments: Diese Sage hat auch A.L.-P. (VII, I, 551, 15) aufgenommen, obwohl er die Ausdrucksweise von Bika sehr verändert hat. P. Š.


Die alte Rauzene war nicht nur als Hebamme weit bekannt, sondern man rühmte sie auch als Besprecherin und als kundig in allen Heilkünsten. Einmal war sie mit dem Vieh auf den fernen Gauja-Wiesen, wo die Bauern mehrere Wochen mit ihrem Vieh zu bleiben pflegen, ohne es abends nach Hause zu treiben. Sie haben alle Gefäße mit, die beim Melken und zur Aufbewahrung von Milch nötig sind. Eines Abends spät, als die alte Rauzene sich schlafen gelegt hatte, ging an ihr eine alte unbekannte Frau mit einem Melkeimer vorbei. Die alte Rauzene erschrak gewaltig und wollte den Hirten wecken, aber sie vermochte sich nicht zu rühren — als wäre sie an der Erde angewachsen; sie vermochte auch nicht den Mund zu öffnen und zu schreien. Da sie sich nicht bewegen konnte, blieb sie ruhig liegen und beobachtete die Fremde, die gewiss eine Hexe war. Diese ging von einer Kuh zur anderen, betastete ihre Euter, aber konnte von keiner einzigen Milch bekommen. Als die Hexe wieder fortging, fauchte sie die alte Rauzene zornig an: "Wie konntest du nur den Kühen solches Zeug eingeben!" Als die Hexe fort war und die alte Rauzene sich bekreuzigt hatte, konnte sie sich wieder bewegen, den Mund öffnen und reden. Sie begann darüber nachzudenken, was die Hexe mit "dem Zeug" gemeint haben konnte, denn es war da etwas, weshalb sie die Kühe nicht hatte melken können. Schließlich fiel ihr ein, dass man den Kühen besprochenes Salz ins Futter gegeben hatte. Deshalb hatte die Hexe mit einem leeren Melkeimer fortgehen müssen.

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox