Die Hexen verderben das Vieh

From Pasakas un teikas
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Auf einem Hof lebten schon seit vielen Jahren wohlhabende Bauern. Es ging ihnen alles gut von der Hand. Ihre Getreidefelder standen prächtig, ihre Kühe gaben reichlich Milch. In einem Frühjahr aber zog eine Pächterin auf den Hof ein, die selbst zwei Kühe hatte. Man ließ das Vieh zum ersten Mal auf die Weide. Als die Kühe wieder heimgetrieben worden waren, gaben sie keine Milch mehr. Die wenige Milch, die man dennoch melken konnte, war bläulich und ohne Geschmack. Die Kühe der Pächterin jedoch gaben viel Milch — fette, sahnereiche Milch. Sie konnte viel Butter verkaufen. Die Bäuerin pflegte und fütterte ihre Kühe soviel sie nur konnte, aber ohne Erfolg: Die Kühe gaben nur spärlich Milch. Zuerst nahm man an, die Weiden seien wohl schlecht und die Kühe würden im Winter mehr Milch geben. Aber auch dann änderte sich nichts.

Die Bauersleute waren gezwungen einige Kühe und ein Pferd zu verkaufen. Es wurde wieder Frühjahr. Die Zeit nahte, dass man das Vieh wieder auf die Weide treiben konnte. Als die Kühe zur Hütung gebracht worden waren, nahm die Pächterin ihren Melkeimer und betrat den Stall des Bauern. Dort streichelte sie die Spuren der Kühe und murmelte: "Die Sahne für mich, die Sahne für mich, aber nicht alle!" In demselben Augenblick kam der Knecht vom Pferdestall herüber. Er erblickte die Pächterin. Er schlich leise heran und belauschte sie. Da er Zaumzeug in der Hand hatte, begann er sie damit zu prügeln, wobei er rief: "Alle Sahne für mich, alle Sahne für mich!" Die Pächterin lief so schnell sie nur konnte in ihre Stube und wurde sogleich krank. Der Knecht, der weiter an nichts Arges dachte, ging frühstücken. Das Zaumzeug hing er im Vorraum an die Wand. Als die Bäuerin den Torraum betrat, wunderte sie sich, woher die Sahne kam: Der ganze Fußboden war weiß. Nun liefen auch andere Hofleute herbei und wunderten sich. Der Knecht erzählte, was er gesehen und getan hatte. Jetzt war es allen klar, was das zu bedeuten hatte. Die Pächterin ist noch am selben Tag gestorben. Aber die Kühe gaben seitdem wieder reichlich Milch.

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