Die Hexen reisen

From Pasakas un teikas
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Ein Bauer hatte einen Knecht namens Pēteris. Dieser war sehr ausgemergelt und kraftlos. Während er eines Tages auf dem Acker arbeitete, kam der Knecht des Nachbarn zu ihm, und da er Pēteris so entkräftet sah, rief er: "Oh weh! wie ausgemergelt und heruntergekommen siehst du aus! Gibt dir denn dein Bauer gar nichts zu essen oder hast du zu schwere Arbeit? Sag mir, was dich quält. Dich kann man ja gar nicht mehr Pēteris, sondern nur noch Vārgu Pēteris (der schwache Pēteris) nennen."

"Wie sollte ich nicht entkräftet sein, die Mutter des Bauern reitet Nacht für Nacht auf mir herum. Kaum bin ich eingeschlafen, so kommt sie zu mir, legt mir einen Zaum an und aus mir wird sogleich ein hübsches schwarzes Pferd. Dann setzt sie sich auf meinen Rücken und reitet auf mir in die Welt hinaus, und das treibt sie mit mir jede Nacht."

"Sei doch nicht dumm! Weißt du was, du tust mir leid, wollen wir einen Tausch machen! Komm du zu meinem Bauern, ich will zu deinem gehen. Ich will doch sehen, ob die Hexe sich mit mir denselben Spaß erlaubt, mich ebenso wird reiten können wie dich."

Gesagt, getan. Sie tauschten noch am selben Tage. Gleich in der ersten Nacht kam die Mutter des Bauern ganz leise ans Bett des Knechtes und warf ihm den Zaum über den Kopf. Dieser ließ es zu und stellte sich so, als schliefe er fest. Kaum hatte ihm die Alte den Zaum angelegt, nahm er die Gestalt eines hübschen schwarzen Pferdes an. Dann setzte sich die Alte auf seinen Rücken und ritt mit ihm davon. Sie ritt zu einem dunklen Schloss, das in die Erde versunken war. Dort angelangt, band sie ihren Rappen an einen Baum, an dem schon viele solcher Pferde befestigt waren und ging in das Schloss. Aber was tat der Rappe? Er fand es langweilig, am Baum festgebunden zu warten. Er entledigte sich seines Zaums und ging ans Schlossfenster, um zu schauen, was die Alte drinnen bewerkstellige. Durchs Fenster sah er eine große Menge, die vom Teufel besessen war, die drinnen allerhand Tollheit und Unfug trieben; unter ihnen sah er auch seine Reiterin, die Mutter seines Bauern. Plötzlich rief einer der Teufel: "Kinder, freut euch eures Lebens, aber seht auch nach euren Pferden! Als der Knecht das gehört hatte, lief er eilends zu dem erwähnten Baum zurück und steckte seinen Kopf in den Zaum. Die Teufel aber tollten und tobten bis zur Mitternacht. Kaum hatte der Hahn gekräht, als alle wieder auf ihren Pferden saßen und jeder in sein Gesinde ritt. In der nächsten Nacht kam die Alte ebenso leise ans Bett des Knechtes und warf ihm wieder den Zaum über den Kopf, aber diesmal ließ er sich nicht zäumen; er packte den Zaum und warf ihn der Alten selbst über den Kopf. Diese verwandelte sich sofort in eine hübsche schwarze Stute. Der Knecht schwang sich auf ihren Rücken und ritt zum Schmied. Diesem befahl er, seine Stute mit ein Liespfund schweren Hufeisen zu beschlagen, die bis zur Rotglut erhitzt waren. Der Schmied erhitzte die Hufeisen, bis sie durch und durch glühend rot waren. Dann schlug er sie der Stute an die Füße. Oh - das tat der Stute aber weh! Sie schnaufte wehleidig und schlug nach allen Seiten aus, aber das half ihr alles nichts. Als die Stute beschlagen war, ritt der Knecht sie noch nach Herzenslust und galoppierte dann mit ihr heim. Gerade krähte der Hahn, die Stute sank auf ihr Bett und wurde wieder die Alte. Dann aber streckte sie alle viere von sich und war mausetot.

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