Die Hexen reisen

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search

Ein Bursche hatte eine unglückliche Zeit: Jede Nacht, sobald er eingeschlafen war, schien es ihm, dass er von einer Frau gesattelt wurde, die auf seinem Rücken über Berge und Täler ritt. Jeden Morgen erwachte er schweißgebadet und fühlte sich völlig erschöpft. Der Bursche wurde mit der Zeit so schwach, dass seine Rippen beim Gehen klapperten. Was sollte der Ärmste nur anfangen? Einmal begegnete er zufällig einem Mann, der ein halber Hexenmeister und ein sehr vernünftiger Mensch war. Der belehrte ihn, was er zu tun habe. Der Bursche besorgte sich einen Ebereschenknüppel mit neun eingeschnittenen Kreuzen, legte sich hin und stellte sich schlafend. Sobald er zu schnarchen begann, war die Hexe zur Stelle. Zuerst leuchtete in der Stube ein kleines Schwefelflämmchen auf, aber gleich darauf erhob sich ein Sturm. Sobald er heftig fegte, schlug der Bursche mit dem Ebereschenstock kreuzweise mitten in den Sturm hinein. Nachdem er das ein paar Mal gemacht hatte, sah er, dass neben seinem Bett eine prächtige schwarze Stute erschien. Schnell legte er ihr das Zaumzeug an und — obwohl die Stute Funken schnaubte — brachte sie zum Schmied, ließ sie beschlagen und ritt los. Die Stute galoppierte so schnell, dass kein anderes Pferd auf der Welt sie eingeholt hätte. Der Bursche bot sie Herren zum Wettreiten an und jedes Mal bekam er dafür viel Geld. Schließlich wollten die Herren die Stute gegen eine andere tauschen und versprachen noch reichliche Zugaben. Der Bursche erklärte sich einverstanden und ging den Tausch mit einem der Herren ein. Er ermahnte ihn aber: "Lass die Stute niemals ohne Zaumzeug stehen!" Nachdem er so mit ihm gesprochen hatte, ritt er auf seinem neuen Pferd nach Hause. Der Herr aber frohlockte: "Jetzt werde ich mit vielen Herren um die Wette reiten und dabei viel Geld gewinnen!" Zu Hause ließ der Herr die Stute in den Stall bringen. Der Stallknecht ließ die Stute vorher noch wälzen und nahm ihr dabei das Zaumzeug ab. Sobald das geschehen war, schoss die Stute wie ein Pfeil davon. Als der Knecht heimgekehrt war, sah er, dass seine Bäuerin auf dem Ofen lag: An den Händen und Fußen hatte sie Hufeisen. Sie konnte nur noch flüstern: "Ich werde dich rächen, lass mich erst nur etwas Brägen genießen!" Dann ging die Hexe hinaus, aber der Bursche schlich ihr nach. Er sieht: Sie hat sich unter einen Wacholderstrauch gelegt. Aus ihrem Mund kommt ein leuchtender Schmetterling geflogen, aber sie selbst liegt ohne zu atmen da. Der Bursche schob seinen Ebereschenstock unter ihren Rücken und wartete. Bald darauf kehrte der leuchtende Schmetterling zurück und kroch wieder in den Mund der Liegenden. Aber in demselben Augenblick begann grauer Rauch aus der Nase der Hexe zu strömen — die Zauberkraft verließ sie. Von da ab war es mit der Hexerei vorbei.

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox