Wohlwollende Hexen

From Pasakas un teikas
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Wenn die Kühe wenig Milch gaben, pflegten die Leute zu denken, dass sie heimlich gemolken worden waren. Wollte man, dass die Kühe reichlich Milch gäben und vor Milchaussaugern verschont blieben, musste man so handeln, wie die Altbäuerin Dārta es getan hatte. In der Johannisnacht waren alle unterwegs. Nur das Töchterchen des Bauern und die Großmutter Dārta waren zu Hause geblieben. Das Mädchen spielte gerade mit der Katze, als Dārta aus ihrer Kammer kam. Sie holte den Brotschieber hervor und sagte: "Jetzt ist es Zeit!" Noch auf der Türschwelle setzte sie sich auf den Brotschieber, murmelte etwas bei sich und hüpfte flink wie ein junges Mädchen, rittlings auf dem Brotschieber sitzend, zum Stall. Dann ritt sie noch kreuz und quer auf dem Hof umher, hüpfte mehrmals um das Gelände herum und kam schließlich in die Küche und in die Milchkammer hinein. Dort murmelte sie wieder etwas bei sich und stellte den Brotschieber zwischen die Milcheimer. Dann verließ sie eilends die Kammer wieder, riss eine Kletterpflanze, die am Zaun stand, aus der Erde, schob sie in den Spalt der angelehnten Stalltür und sagte: "Jetzt werden die Milchsauger unsere Kühe in Ruhe lassen." Gleich darauf verschwand sie. Seit der Zeit haben die Milchsauger denn auch weder den Stall noch die Milchkammer heimgesucht.

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