Räuber

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search

Es lebte einmal ein Eisenbahnwärter. Er hatte viel Geld, aber er trug stets schlechte Kleidung und tat so, als wäre er ganz arm. Er hatte Frau und zwei Kinder und außerdem noch die Tochter seines Bruders. Wenn er zur Arbeit ging, ermahnte er sie, niemandem zu sagen, dass er nicht zu Hause sei. Eines Tages war er wieder zum Dienst gegangen. In der Nacht kamen zwei Männer an und verlangten hereingelassen zu werden. Die Frau dachte nichts Arges und ließ sie herein. Als die beiden das Häuschen betraten, sahen sie, dass der Mann nicht daheim war und fragten die Frau: "Habt ihr Geld?" Sie entgegnete: "Woher sollten wir denn Geld haben! Wir sind ja ganz arm." Da lachten die Räuber und fragten nun die Kinder. Diese antworteten dasselbe, was die Mutter gesagt hatte. Aber die Nichte lag auf dem Ofen. Sie hörte alles, sagte jedoch kein Wort. Die Räuber hatten sie gar nicht bemerkt. Sie bedrängten weiter die Frau und verlangten Geld von ihr, andernfalls müsse sie sterben. Da gab die Frau ihnen Geld. Der eine Räuber ging mit dem Geld davon, der andere sprach zu ihr: "Weil du so gut gewesen bist, so will ich auch zu dir gut sein. Du kannst selbst wählen, welchen Tod du sterben willst." Die Frau bat ihn, sie nicht zu töten, aber darauf antwortete er: "Wenn ich dich am Leben lasse, werde ich selbst sterben müssen. Da sprach die Nichte leise vom Ofen herab: "Ich bin einverstanden, dass man mich hängt." Der Räuber glaubte, die Frau habe es gesagt, die Frau wiederum glaubte, Gott habe so gesprochen. Da verlangte er einen Strick. Sie gab ihm einen Strick und er fragte: "Wo möchtest du hängen?" – "Am Ofen," antwortete die Nichte. Er aber glaubte, die Frau habe gesprochen, und machte eine Schlinge aus dem Strick. Dann holte er einen Eimer und stellte ihn hin, um besser den Ofen erreichen zu können. Als er alles so vorbereitet hatte, wollte er nachsehen, wo er die Schlinge befestigen könnte. Aber in dem Augenblick, als die Frau den Eimer wegstieß, zog die Nichte die Schlinge an. So blieb der Räuber hängen. Die Nichte kletterte vom Ofen herab, lief hinaus und schrie um Hilfe. Nachbarn kamen herbeigeeilt, nahmen den Räuber fest und brachten ihn ins Gefängnis. Als der Mann heimkam und alles erfuhr, bedauerte er sehr, dass das Geld fort war, aber schließlich beruhigte er sich wieder und lebte nun mit seiner Familie besser als vorher: Er hielt sich nun nicht mehr für arm, sondern lebte wie alle anderen Leute.

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox