Räuber

From Pasakas un teikas
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Vor langer Zeit lebte in einem fernen Königreich ein starker und gewaltiger Räuber. Er hatte zwei große Hunde, die nicht nur einen, sondern fünfzig Menschen zerreißen konnten. Der Räuber überfiel und erschlug Menschen, die unterwegs waren: Gutsherren, Kaufleute und andere reiche Männer. Ihm selbst konnte niemand etwas anhaben. Einmal versammelten sich alle Gutsbesitzer und Kaufleute, um zu besprechen, wie man den Räuber festnehmen könnte. Während die reichen Leute noch darüber beratschlagten, kam ein Trinker zu ihnen, der bereits sein ganzes Geld vertrunken hatte, und sprach: "Wenn ihr mich zu einem reichen Manne machen wollt, dann verspreche ich euch, dass ich den Räuber ganz allein festnehmen und erschlagen werde." Die Gutsherren und Kaufleute sagten: "Gut!" Der Trinker zog sich wie ein Knecht an und machte sich auf den Weg, um den Räuber zu suchen. Lange durchstreifte er den Wald, bis er schließlich die Hütte fand, in der er wohnte. Der Mann bot dem Räuber seine Dienste als Knecht an und war bereit, alles für ihn zu tun und ihm zu dienen. Der Räuber wollte ihn erst nicht haben, aber der Knecht bat ihn flehentlich darum und sagte, dass er keine Bleibe habe. Schließlich nahm der Räuber ihn bei sich auf. Der Knecht lebte beim Räuber und bekochte ihn. Der Räuber hatte ihn sehr gern. So lebte er bereits viele Monate lang bei ihm und kochte Fleisch für ihn. Das Fett aber verwahrte er gut. Schließlich erfuhr er auch, auf welche Namen die Hunde hörten. Es war ihm sehr nützlich, es zu wissen, damit die Hunde ihn nicht zerrissen, wenn er fortlief. Eines Tages kehrte der Räuber von seiner Arbeit heim und brachte eine Kuh mit. Er befahl dem Knecht, die Kuh sogleich zu schlachten und zu kochen. Der Knecht tat, was der Räuber ihm befohlen hatte: Er kochte die Kuh und brachte sie auf den Tisch. Der Räuber setzte sich hin und aß die ganze Kuh auf. Nach dem Mittagessen legte er sich ins Bett. Der Räuber lag auf den Rücken: Sein Mund war weit offen und er schnarchte laut. Der Knecht überlegte nicht lange: Er setzte den Topf mit dem Fett auf den Herd und ließ es sieden. Als es siedend heiß war, goss der Knecht es in den offenen Mund und auf das Gesicht des Räubers. Das siedende Fett verbrühte den Mund, die Augen und das ganze Gesicht des Räubers. Vor Schmerzen sprang er aus dem Bett, aber er konnte weder sprechen noch sehen. Der Knecht lief aus dem Haus und rannte so schnell davon, wie die Beine ihn nur trugen. Der Räuber wollte die Hunde rufen, aber seine Zunge gehorchte ihm nicht. Er lief zur Tür, prallte aber mit dem Kopf gegen die Wand. Diese zerbrach, er stürzte ins Freie und wollte dem Knecht nachjagen, aber da prallte er gegen einen Baum. Dieser fiel um. Er warf viele Bäume um, schlug sich dabei den Kopf ein und starb. Der Knecht begab sich zu den reichen Leuten, führte sie zu der Stelle, an der der tote Räuber lag und zeigte ihnen die Leiche. Die Gutsherren und die Kaufleute gaben ihm viel Geld. Er wurde ein reicher Mann. Der Knecht nahm die Hunde des Räubers zu sich, lebte gut und trank Branntwein.

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