Räuber

From Pasakas un teikas
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Vor sehr langer Zeit lebte einmal ein reicher Bauer. Er hatte Frau und drei Söhne. Der Bauer, obwohl er reich war, stahl und mordete. Die Frau fluchte und wollte ihn hindern, so böse Werke zu tun. Die Kinder waren noch klein und konnten nichts gegen ihren Vater unternehmen. So ließ der Bauer sich von den bösen Taten nicht abhalten. Die Söhne wuchsen heran. Der Bauer wurde immer älter. Die Söhne ließen nicht mehr zu, dass er Böses tat. Schließlich war der Bauer ganz alt geworden. Mit langem Haar und Bart bewachsen hockte er die ganze Zeit zu Hause auf dem Ofen. Eines Tages beschloss der Alte, zu der Stelle zurückzukehren, wo er früher Menschen umgebracht hatte. Heimlich verließ er das Haus und begab sich in den Wald. Dort stellte er sich neben einen Baum und wartete, dass jemand vorbeikommen würde. Ein junger Bursche, ein Schneider, ging den Waldweg entlang. Der Alte stellte sich ihm in den Weg und wollte ihn mit dem Messer erstechen. Der Bursche war jedoch jung und stark: Er ergriff den Arm des Alten und entwand ihm das Messer. Da dachte der junge Mann: Was soll ich mit ihm tun? Es missfiel ihm, einen alten Mann zu schlagen, er packte den Alten bei den Haaren, fesselte ihn an den Baum und ging seines Weges. Der Alte stand, mit seinen eigenen Haaren gefesselt, die ganze Nacht am Baum und konnte sich nicht befreien. Als es Morgen wurde, überlegte er, was er tun sollte. Er schämte sich bei dem Gedanken, dass jemand ihn so angebunden sehen könnte. Da versuchte er, sich mit aller Gewalt loszureißen: Dabei riss er sich mit den Haaren die ganze Kopfhaut ab. So schnell wie er nur konnte, lief er nach Hause und erzählte seiner Frau und seinen Söhnen, dass er einen reichen Mann habe erschlagen wollen. Der aber, der sehr stark gewesen sei, habe ihn an seinen Haaren an den Baum gefesselt. Jetzt habe er sich losgerissen, aber dabei das Haar und auch die Kopfhaut verloren. Die Söhne und die Mutter sagten: "Es ist dir recht geschehen, nun wirst du wohl nicht mehr ausziehen, solche Werke zu tun!" Der Alte lebte weiter und bekam langsam neue Kopfhaut. Die Söhne ließen ihn nicht mehr aus dem Haus. Eines Tages beschlossen die Söhne, sich Pelze nähen zu lassen und ließen den Dorfschneider kommen. Als er das Haus betrat, erkannte er sogleich, dass der Alte derselbe Mann war, den er damals an den Baum gefesselt hatte. Er sagte jedoch kein Wort darüber und begann sofort die Pelze zu nähen. Auch der Alte hatte den Burschen erkannt, der ihn gefesselt hatte, aber auch er sagte keinem Menschen etwas davon, denn er schämte sich und blieb auf dem Ofen hocken. Abends nähte der Schneider, die Söhne des Bauern saßen dabei, schauten zu und erzählten Geschichten und wahre Begebenheiten. Auch der Schneider erzählte eine wahre Begebenheit: "Einmal ging ich durch den Wald. Da sehe ich: Ein alter Mann tritt mir in den Weg und will mich mit einem Messer erstechen. Ich griff nach seinem Arm und entwand ihm das Messer. Es tat mir leid, einen alten Mann zu schlagen, ich dachte: Vielleicht hat er schon den Verstand verloren. Ich band ihn mit seinen Haaren an den Baum, aber ich weiß nicht, wer ihn losgebunden hat. Die Söhne gestanden, dass der Mann ihr Vater sei, der jetzt ohne Haar auf dem Ofen sitze. Der Alte schämte sich sehr und hat bis zu seinem Tode keine bösen Taten mehr verübt.

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