Kreis Riga

From Pasakas un teikas
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Kangari. Die Kangari-Hügel sind zusammengeworfen wie eine Pferderücken. Versuche nur, auf einem Pferderücken entlangzufahren! Auf beiden Seiten der Hügel erstreckten sich unwegsame Moore, in denen Räuber hausten. Sie beraubten jeden, der es wagte — und sei es am helllichten Tage — allein über die Kangari-Hügel zu fahren. In den Wäldern und in den Mooren hausten sehr viele Räuber. Diese Teufelsbraten hatten sich unter dem Berg Höhlen eingerichtet, in denen sie selbst wohnten und in denen sie so lange ihre Beute versteckten, bis sie weiter nach Riga gebracht werden konnte. Die Eingangstüren zu den Höhlen waren für andere unauffindbar, mit Reisig und Gras verhangen, so dass immer nur ein einzelner Mann hineinkriechen konnte. Wenn sie ihre Beute bergen mussten, öffneten die Räuber die heimlichen Türen, bis sie alles verstaut hatten. Dann wurden die Türen wieder verschlossen und so gut getarnt, dass der Eingang weder zu finden noch zu erkennen war. In den Nächten, wenn sie Raubüberfälle planten, spannten die Räuber eine Schnur über die Bergstraße, deren eine Ende sie in ihrer Höhle an einer Glocke, das andere Ende auf der anderen Seite des Berges befestigten. Wenn nun ein Fuhrmann in der Dunkelheit über die Schnur fuhr, begann das Glöckchen in der Räuberhöhle zu bimmeln. Bimmelte das Glöckchen oft hintereinander, wussten die Räuber, dass viele Fuhrleute zusammen unterwegs waren und trauten sich nicht, sie zu überfallen; waren es jedoch nur ein oder zwei Fuhrleute, verließen sie ihre Höhle und raubten sie aus. Versuchte der Überfallene sich zu wehren, erschlugen sie ihn oder warfen ihn ins Moor; flehte er um sein Leben, ließen sie ihn frei, ermahnten ihn nur, so schnell wie möglich davonzufahren. Gelang es ihnen, einen reichen Rigaer Kaufmann zu überfallen, so zerrten sie ihn in ihre Höhle und bedrängten ihn so lange, bis er versprach, keinem Menschen auch nur ein Wort über die Räuber zu sagen und zum Zeichen, dass er gewillt war, sein Wort zu halten, an der und der Stelle im Walde, unter einem Stein oder in einem hohlen Baum, so und so viele Tausender zu hinterlegen. Es geschah auch, dass die Räuber mitunter einen armen alten Mann gar nicht belästigten, sondern, im Gegenteil, ihm noch halfen, über das Kangari-Hügel zu gelangen. Als man später die Kangari-Höhlen durchsuchte, entdeckte man ungeheure Mengen an Raubgut: Schwerter, Pistolen, Geldladen, Kisten mit Silber und Gold. Ganze Wagenladungen wurden zum Rathaus von Riga gebracht. In der aller dunkelsten Kammer fand man Menschenköpfe aufgeschichtet: Es waren Köpfe von Juden und Christen, von Polen und hohen Herren.

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