Kreis Riga

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Comments: Während die absichtlich ausgeschmückte Geschichte von Indulis und Ārija (S. XIV 3, Nr. 18, S. 34) als echte Volkssage betrachtet wird, hört sich die Saga aus Turaida wie eine wahre Begebenheit an, obwohl ihr Inhalt reichlich romantisch ist. Schon deshalb können wir uns auf die Wiedergabe von Wolffeld nicht ganz verlassen, weil er die Begebenheit zwar in allen Einzelheiten erzählt, aber weder das Original des Gerichtsprotokolls noch dessen Übersetzung veröffentlicht hat. Der größte Fehler von Wolffeld ist aber der, dass er diesen Prozess ohne kritische Kommentare wiedergegeben hat. Zu der Zeit wurden Hexen, Hexenmeister und Drachenhalter streng bestraft; wenn wir diesen Protokollen nicht ganz vertrauen können, so bleiben uns Zweifel auch im Falle dieser wunderbaren Begebenheit. Der einzige Zeuge des Mordes ist Skudritz, der zunächst als Mittäter gewirkt hat. Die Vernehmung der kleinen Lenta ist nicht protokolliert worden und hätte auch keine große Bedeutung. In ihrer großen Angst war sie nach Krimulda gelaufen und vermochte nicht einmal zu berichten, woher sie gekommen war. Erst am nächsten Tag hatte sie sich wieder gefangen und wurde dann nach Turaida zurückgebracht. Wie sollen wir so ohne weiteres glauben, dass ein Verbrecher in einem Falle, bei dem Zeugen fehlen, nicht versuchen würde zu lügen? Hätte Skudritz erzählt, dass Jakubowski Maija im Kampf ermordet hatte, hätte auch ihm selbst die Todesstrafe gedroht. Gelang es ihm aber, dem Richter einzureden, dass Maija selbst vorgeschlagen hatte, das Schwert auf ihren Hals zu richten, so stand der Zeuge fast schuldlos da. Nach Wolffeld zu urteilen, hat der Richter den Worten von Skudritz nur schwer Glauben geschenkt, denn er hat ihn erst nach vier Monaten aus der Haft entlassen. Die Zweifel kommen weniger deshalb, weil man sich auf das Zeugnis des Skudritz nicht verlassen könnte, sondern, weil die Situation psychologisch schwer vorstellbar ist. Es ist bekannt, dass Jakubowski der Sohn eines polnischen Lehrers und katholisch war; er war Offizier — wenn auch niederen Ranges — der polnischen Armee, gehörte also nach den damaligen Verhältnissen zu der gebildeten Schicht. Wenn man das alles bedenkt, muss man annehmen, dass ihm die Legende über den hl. Eufrosius bekannt gewesen sein müsste — oder mindestens die populäre Sage, die aus dieser Legende entstanden ist. Im 16. Jh. — aber auch schon früher und ebenso später — waren romantische Liebeslieder und — Geschichten in Europa große Mode. Deshalb ist diese Sage an vielen Orten lokalisiert worden, darunter z. B. in Preußen (Ostpreußisches Sagenbuch 38, 41) und sogar in Estland (Bienemann, Livländisches Sagenbuch, 133, 146). In dem Falle durfte Jakubowski nicht an die Kraft des Halstüchleins glauben. Sollte er die Sage jedoch nicht gekannt haben und wäre er selbst ein abergläubischer Mann gewesen, so hätte er immerhin — nur um sich zu vergewissern - nicht aus aller Kraft mit dem Schwert zuschlagen müssen. Er hätte sich auch durch einen schwachen Schlag von der Kraft des Tüchleins überzeugen können. Arioste, der italienische Dichter (1474 - 1533) besingt in seinem Epos (Orlando furioso, XXIX, 1 - 40) eine ähnliche Begebenheit und lässt seinen Held Rodomont Isabella im Zustand der Trunkenheit töten. Nach der Schilderung der Geschichte ist aber ersichtlich, dass Jakubowski nicht betrunken war. Lassen wir allen Romantizismus beiseite, so wird die Geschichte ganz einfach und verständlich. Es gibt keinen Grund daran zu zweifeln, dass der eifersüchtige Jakubowski sich rächen wollte. Als Maija sich wehrte, hat Jakubowski sie in großer Erregung und im Jähzorn umgebracht. Nach der vollbrachten Tat packte ihn sowohl Reue als auch Angst vor der zu erwartenden Strafe, deshalb nahm er sich das Leben. Skudritz wird ihn aber nicht ganz so einfach fortgelassen, sondern ihn vielmehr darüber um Rat gefragt haben, was er vor dem Gericht aussagen solle. Für diesen Fall war die oben erwähnte Legende wie geschaffen. Es bleibt die Tatsache, dass die von Wolffeld angeführten romantischen Begründungen nicht bewiesen werden können. In unserer Sammlung gibt es schon viele Beispiele von der Lokalisierung von Märchen und Sagen, dieses Beispiel ist aber das weitaus interessanteste. A. Cammerer (Jungfrau von Treiden, 1848) hat diese Begebenheit in einer epischen Dichtung geschildert in der er Maija "Rose" nennt. J. Dauge (Die Jungfrau von Treiden, 1857) hat diese Dichtung in lettischer Sprache wiedergegeben und bearbeitet und dabei den Namen Rose übernommen, der im Gerichtsprotokoll nicht vorkommt. P. Š.


Turaida. Der Schlossschreiber Greif vom Schloss Turaida (Treyden) fand zur [Zeit] des schwedisch-polnischen Krieges in der Nähe des Schlosses ein kleines Mädchen, das nur einige Monate alt und schon halb verhungert war. Er nahm sie als Pflegetochter an, gab ihr den Namen Maija und ließ sie taufen. Maija wuchs zu einer schönen und tugendhaften Jungfrau heran. Der junge Gärtner Heil aus Sigulda (Segewold) verliebte sich in Maija und die beiden jungen Menschen pflegten sich abends in der Gutmannshöhle zu treffen. Am 6. August 1620 erhielt Maija eine Botschaft Heils, in der er sie bat, schon am Nachmittag zur Gutmannshöhle zu kommen, da er am Abend keine Zeit haben würde. Maija ging zusammen mit Lenta, dem achtjährigen Töchterchen Greifs, zu der Höhle. Am Abend kam der Gärtner Heil angelaufen und berichtete, dass Maija in der Gutmannshöhle ermordet worden sei. Auch die kleine Lenta war nicht nach Hause zurückgekehrt. Noch an demselben Abend wurde dem alten Richter des Ortes von der Ermordung Mitteilung gemacht. Der Richter traf gleich am nächsten Morgen in Turaida ein. Der erste Verdacht fiel auf Heil selbst, obwohl er als ehrlicher Mensch bekannt war. Der Schlossherr von Turaida, Schildhelm, der selbst am Krankenbett gefesselt war, lenkte die Aufmerksamkeit des Richters auf zwei Deserteure der polnischen Armee, Jakubowski und Skudritz, die bereits zwei Jahre bei ihm gedient haben, aber große Trinker und Weiberhelden seien. Skudritz sei selbst zu ihm gekommen und sei bereit, Zeugnis abzulegen und alles zu sagen, was ihm über die Sache bekannt sei. Skudritz wurde vor den Richter bestellt. Dort berichtete er, Jakubowski habe sich sofort in Maija verliebt, als er nach Turaida gekommen sei. Vor drei Monaten habe er Maija einen Heiratsantrag gemacht, aber Maija habe ihn abgewiesen mit der Begründung, dass sie bereits mit Heil verlobt sei. Jakubowski sei ein jähzorniger Mann und habe sich wegen der Abweisung rächen wollen. Er überredete Skudritz, mit ihm zur Gutmannshöhle zu gehen, wo sie beide das Mädchen vergewaltigen wollten. Er habe denn auch in Heils Namen an Maija die Botschaft geschickt. Die beiden Männer seien dann vorausgeeilt und haben sich im Gebüsch an der Höhle versteckt. Als Maija gekommen sei, sei Jakubowski ihr in den Weg getreten und habe ihr mit groben und beleidigenden Worten seine Absicht kundgetan. Wohl habe sich das Mädchen gewehrt, aber Jakubowski sei ein sehr starken Mann, er habe sie zu Boden geworfen. Da hat Maija ihn angefleht, sie doch loszulassen, dafür wolle sie ihm ein Tüchlein schenken, das vor allen Verwundungen schützen könne.

Wenn er es nicht glauben wolle, könne er es ausprobieren und sie ruhig mit seinem Schwert zu verletzen versuchen. Jakubowski hatte sein Schwert an der Seite, er zog es und schlug zu. Maija fiel zu Boden, und das Blut begann aus ihrem Hals zu strömen. In dem Augenblick hörte Skudritz einen Schrei hinter sich, den wahrscheinlich die kleine Lenta ausgestoßen hatte. Nach dem Mord ist Jakubowski sehr aufgeregt in den Wald gelaufen. Heute morgen habe man ihn gefunden — er hatte sich aufgehängt. Der unschuldige Heil wurde sogleich freigelassen, aber auch Skudritz, für den Heil gesprochen hatte, wurde vier Monate später aus dem Gefängnis entlassen.

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