Kreis Valka

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Gaujiena. Das Schloss des Gaujiena-Gutshofes befindet sich am rechten Ufer der Gauja (= Livld. Aa), etwa vierzig Werst von der Kreisstadt Valka entfernt. Die Schlossruine am steilen Ufer der Aa ist noch heute zu sehen. Sie ist eine der ältesten Burgen in Lettland, erbaut im Jahre 1238. Zu den Bauarbeiten wurden alle Leute der Umgebung zusammengetrieben: Männer und Frauen, Kinder und Greise, alle, die einen sieben Pfund schweren Stein noch heben konnten. Zu Beginn wollten die Bauarbeiten gar nicht vorangehen, denn Mauern, die am Tag errichtet wurden, wurden in der darauffolgenden Nacht wieder zerstört. Schließlich riet man den Erbauern, einen lebendigen Menschen einzumauern. Ein Bruder und eine Schwester, Jānis und Grietiņa, kamen eines Tages vorbei, um das Wunderwerk zu betrachten. Man machte die beiden betrunken und mauerte sie dann ein. Noch drei Tage lang hörte man dumpfe Klagelaute der Kinder. Eine Familie Bergs behauptet, die eingemauerten Kinder hätten zu ihrer Sippe gehört. Peter der Große hat die Burg 1702 zerstört, nachdem sie bereits 464 Jahre gestanden hatte. Noch heute zeigt man Löcher, welche die Kanonenkugeln eingerissen hatten. Die Russen hatten sich am gegenüberliegenden Ufer auf dem sog. Zarenberg niedergelassen. Als die Schweden sahen, dass sie dem russischen Heer nicht widerstehen und die Burg nicht verteidigen konnten, sandten sie einen Boten zum Zaren Peter und teilten ihm schriftlich mit, dass die Burg sich ohne Kampf ergeben würde.

Aus irgendeinem Grund hatte der Bote sich verspätet und erreichte den Kaiser erst dann, als die Burg bereits zerstört war. Die Schweden brachten dem Feind die Schlüssel der Burg als Zeichen der Kapitulation entgegen. Der Bote musste sein Zuspätkommen durch das Schwert des Henkers büßen. Von der Burg führen zwei unterirdische Gänge hinaus: Der eine führt unter dem Flussbett der Gauja zum Lager, der andere zu dem sogenannten Rātes sils. Wie in allen alten Burgen, so soll auch hier in der Tiefe des Berges Geld verborgen sein. Als Wächter der Geldtruhen lebt dort ein kleiner schwarzer Hund. Als 1819 das neue Gutshaus von Gaujiena errichtet werden sollte, merkten die Bauleute, dass es an der einen Seite eingesunken war. Man rief Leute herbei, die beim Graben auf eine eiserne Tür stießen. Der Gutsverwalter gestattete jedoch nicht, diese Tür aufzubrechen. Man stützte das Haus mit Eisenträgern ab, und so blieb alles beim Alten.

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