Kreis Ventspils

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Comments: Zum ersten Mal wurde die grüne Jungfrau von Dundaga in dem Lied von Bankavs "Dondangen" (1721) erwähnt. Danach ist in "Inland" 1855 darüber geschrieben worden. Auch Bienemann hat die Geschichte in seinem "Livländischen Sagenbuch" aufgenommen. (Livl. Sagenbuch 138, 178). Aber dort fehlt die Einleitungssage darüber, wie der Name "Dundaga" erraten wurde. Die Sage beginnt mit einer anderen Begebenheit, nämlich, dass ein Herr von Dundaga beim Duell durch die Hand eines anderen Ritters fällt. In dem Augenblick ist aber das über dem Tor angebrachte Marienbildnis heruntergefallen und hat dabei auch den anderen Ritter erschlagen. An der Stelle (wo das Marienbild gestanden hatte) ist später die kleine Birke gewachsen. Die oben genannte Sage hat auch noch N. Rudzīte in Nogale aufgeschrieben. Dort wird noch gesagt, dass auf dem Dach des Schlosses, das sich aus der Tiefe erhoben hatte, sich ein kleiner Bub und das Birklein befanden. Der Bub ist später zum Schlossherrn geworden und die kleine Birke wurde als Wiegenstange verwendet. Später hat es einen Herrn gegeben, der sich nicht vor der grünen Jungfrau gefürchtet hat. Dafür hat sie in einer Nacht ganz gefährlich seinen Arm gequetscht. Sagen über die grüne Jungfrau haben auch noch T. Grīnbergs von Dundaga und J. Rozenšteine aus Ārlava eingesandt. Was das Erraten des Schlossnamens betrifft, vgl. auch Anmerkung zu 1. Sage der 6. Unterabteilung und zur 6. Sage der 9. Unterabt. P. Š.


Dundaga, 1. In alten Zeiten war die Welt viel schöner als heute. Die Menschen lebten sorglos auf großen Höfen, wie man sie noch heute — obwohl selten — am Strand findet. Prächtige Schlösser erhoben sich auf Hügeln. Es waren die weit sichtbaren Heimstätten der Könige. Auch an der Stelle, wo heute Dundaga steht, erhob sich in alten Zeiten am lieblichen Flussufer ein schönes Schloss.

Eines Tages ließ sich Kriegslärm in der Ferne vernehmen; da versanken alle Schlösser tief, tief in die Erde. In den versunkenen Schlössern ließen sich kleine Wesen der Berge nieder, die sehr viele kostbare Steine, Gold und Silber besaßen, mit denen sie ihre Schlösser noch schöner und prächtiger ausschmückten. Noch heutzutage werden diese Kostbarkeiten aus Bergen herausgeholt, wo die kleinen Leute sie aufbewahrt haben.

Es waren viele Jahre seit der Zeit, als das Schloss von Dundaga versunken war, verflossen. An jener Stelle stand ein dichter Tannenwald und die Leute wussten nicht mehr, dass sich dort einmal ein prächtiges Schloss erhoben hatte. Nur in der Stille und Einsamkeit der Nacht war es manchen Menschen gelungen, dumpfe Laute aus der Tiefe der Erde aufsteigen zu hören: Sie kamen aus dem versunkenen Schloss. Einmal hatte sich ein Wanderer spät abends zu jener Stelle verirrt. Da er keine Menschenbehausung mehr erreichen konnte, legte er sich am Ufer hin und schlief bald ein. Nachts sah er im Traum das versunkene prächtige Schloss, in dem die kleinen Leute fleißig bei der Arbeit waren, denn am kommenden Tag sollte die Hochzeit ihres Königs stattfinden. Er hörte auch das dumpfe Geläut der Glocken: dung-dang. Als die Nacht vergangen war, erwachte der Wanderer, aber alles, was er im Traum gesehen hatte, war ihm gut in Erinnerung geblieben. Dann dachte er an das dumpfe Glockengeläut und sagte bei sich: "Dung-dang!" Aber was geschah nun? Das prächtige Schloss, das er im Traum gesehen hatte, erhob sich aus der Erde. Dundaga war der Name des versunkenen Schlosses und er hatte den Namen erraten, mit dem man es wieder ans Tageslicht aufsteigen lassen konnte.

Der arme Wanderer war ein reicher Schlossherr geworden. In der nächsten Nacht, als er in einem weichen Bett lag, erschien ihm der König der kleinen Leute im Traum und sprach zu ihm mit trauriger Stimme: "Du genießt jetzt Freuden, aber du ahnst nicht, welchen Kummer du mir aufgebürdet hast: Deinetwegen habe ich meine Braut verloren. Erst nach fünfhundert Jahren ist mir gestattet, wieder Hochzeit zu machen. Schon fünfmal sollte ich getraut werden und jedes Mal habt ihr Menschen mir auf die eine oder andere Weise die Freude zerstört. Aber glaube nicht, dass, du und deine Nachkommen deshalb viel Freude haben werdet!" Mit diesen Worten verschwand er. Und es ist war: Dundaga hat schwere und betrübliche Zeiten erlebt.

Wieder waren fünfhundert Jahre verflossen. Eines Abends spät, als alle anderen Schlossbewohner bereits schliefen, kam zu dem Schlossherrn der kleine König der Erdleutchen und bat ihn um Erlaubnis, in der kommenden Nacht im Rittersaal des Schlosses seine Hochzeit zu feiern. Als Belohnung wollte er dem Schlossherrn einen mit Goldgeld gefüllten vergrabenen Topf zeigen. Nur für eine Sache müsse der Schlossherr auf das Strengste sorgen: Kein Auge dürfe die Hochzeitsfeier sehen. Der Schlossherr versprach, alles richtig zu machen. Aber eine Schlossjungfrau hatte das Gespräch heimlich belauscht. Und da Frauen immer alles sehen und wissen wollen, besonders, wenn es sich um Hochzeit und Ehe handelt, konnte auch die Jungfrau in der nächsten Nacht keine Ruhe finden. Um Mitternacht schlich sie auf leisen Sohlen — wenn auch mit zitterndem Herzen — an die Tür des Rittersaales und erspähte durch das Schlüsselloch eine solche Pracht und einen solchen Glanz, wie sie es sich in ihrem Leben nicht einmal im Traum vorgestellt hatte. Die kleinen Leutchen wandelten paarweise in Kleidern, die mit Perlen und Diamanten geschmückt waren. Es war gerade Mitternacht — die Turmuhr schlug zwölf. Der König und seine schöne Braut sollten im nächsten Augenblick getraut werden. Da die Jungfrau alles genau sehen wollte, drückte sie ihr Auge ganz dicht ans Schlüsselloch heran, wobei einer von den Hochzeitsgästen sie bemerkte. In demselben Augenblick erloschen im Saal alle Lichter und ein gewaltiger Krach, der einem Donnerschlag glich, riss die Schlossbewohner aus ihrem Schlaf. Die Jungfrau, die fast von Sinnen war, konnte nur noch mit Mühe sagen, was sie gesehen hatte. Am nächsten Morgen verstarb sie.

Aber die unglückliche Jungfrau fand auch in ihrem Grabe keine Ruhe. Nachts wandelt sie umher in demselben grünen Gewand, das sie in jener Unglücksnacht getragen hatte. Oft zeigt sie sich auch den Menschen, die heute die oberen Kammern bewohnen, die früher ihr gehört hatten. Sie klagt ihnen ihren Kummer und ihre Unruhe, die sie auch im Grabe nicht verlässt. In der nächsten Nacht trat der kleine König wieder an das Bett des Schlossherrn und sprach zu ihm: "Du hast dein Wort nicht gehalten und du hast deinen Leuten nicht verboten, bei meiner Hochzeit zuzusehen. Du hast meine Trauung verhindert, sodass ich wieder fünfhundert Jahre warten muss, bis ich heiraten darf. Dafür musst du deine Strafe erhalten. Über dem kleineren Schlosstor, wo ein Stein aus der Mauer hervorspringt, wächst eine kleine Birke. Ehe die kleine Birke nicht so groß geworden ist, dass man aus ihr eine Wiegenstange machen kann, wird kein Herr von Dundaga einen männlichen Erben bekommen."

So geschah es auch. Die kleine Birke wuchs und grünte auf dem kahlen Stein und war schon ein paar Fuß groß, aber größer werden konnte sie auch nicht. Die Herren von Dundaga mussten ohne männliche Erben sterben. Der verstorbene T. von Sakken, einer der Herren von Dundaga, wollte das Bäumchen pflegen, um so sein Wachstum zu beschleunigen, deshalb ließ er etwas Erde auf den Stein schütten. Aber nun ist das Birklein zu seinem Kummer verdörrt. Doch wurde der Name von Sacken in eine prächtige Wiege geschnitzt und verziert mit dem Holz des verdörrten Birkleins. Bald darauf lag der neue Erbe von Dundaga in der schönen Wiege — die Zeit der Strafe war wohl abgelaufen.

Oh die Zeit des Umherwandelns auch für die grüne Jungfrau abgelaufen ist, das weiß niemand mit Bestimmtheit zu sagen. In den letzten paar Jahren hat sie niemand mehr gesehen, aber noch kurz davor hatte sie so manchen Menschen erschreckt.

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