Kreis Ventspils

From Pasakas un teikas
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Comments: Diese Sage ist aus mehreren Sagen zusammengestellt und sehr verkürzt. P. Š.


Zlēkas, 3. Vor mehreren Hundert Jahren befanden sich dort, wo heute der Gutshof von Palga steht, mehrere Bauernhöfe: Jaunbrūnis, Zievads, Jaunarājs, Krūtums, Trumpis, Kalējs, Lūra, Tīsa und Palgas. Noch heute steht dort eine Eiche, welchen man die Tīsa-Eiche nennt. An welcher Stelle genau jeder der Höfe gestanden hat, weiß man heute nicht mehr. Nur der Pabērza kalns ist noch zu sehen, in dem sich einst die Teufelshöhle befand, in der der Teufel selbst in alten Zeiten gelebt hat. Die Bauern der Umgebung mussten dem Teufel jedes Jahr eine Gans geben. Die Gans war in die Höhle des Pabērzs-Berges zu werfen. Wer sich geweigert hatte, eine Gans zu opfern, verlor in dem Jahr ein Stück seines Großviehs. Aber wer die Gans opferte, dessen Vieh und Getreide gediehen prächtig und die Pferde tänzelten vor Kraft und Übermut. Zu der Zeit hatte der gnädige Großherr noch kein eigenes Schloss. Er lebte noch in einem einfachen Haus. Dann befahl der Herr seinen Bauern Steine, Ziegel, Kalk, Sand, Balken und Dachpfannen herbeizuschaffen: alles für den Bau des neuen Schlosses. Das Schloss wurde erbaut, es war prächtig und schön, nur die Freitreppe fehlte noch. Der Herr hatte sich vor einigen Bauarbeitern geäußert, dass er eine kunstvolle Freitreppe für sein Schloss schmieden lassen wolle. Im nächsten Jahr erschien kurz vor Johanni, ein junger Schmied, und ging ans Werk. Jedes geschmiedete Stück warf er gleich in die Ecke, der Schmied, als wäre es ein minderwertiges Ding. So arbeitete er bis zum Johannistag. Am Johannisabend hatte der Herr für seine Leute ein Festgelage veranstaltet: Es gab Bier und Schnaps, Weißbrot, Suppe und Fleisch. Aber niemand war zu dem Festgelage erschienen, denn alle waren nach dem Sonnenuntergang von einem unwiderstehlich süßen Schlaf übermannt worden. Jeder von ihnen hatte sich unausgezogen in seiner Kammer schlafen gelegt. Erst am nächsten Morgen, als die Sonne schon ziemlich hoch am Himmel stand, erwachten die Leute und eilten aufs Gut, wo das Festgelage auf sie wartete. Aber auch die Gutsleute und die Familie des Großherrn hatten die Johannisnacht in süßem Schlaf verbracht.

Als sie am nächsten Morgen aufstanden, war die neue Freitreppe des Schlosses fertig und erstrahlte in ihrer Schönheit. Als der Herr die Freitreppe sah, war er ebenso überrascht wie froh. Er selbst bewirtete seine Bauern mit Schnaps und Bier als wäre er ihr Diener.

Ein Knecht des Kalējs-Bauern hatte eine sehr schöne Tochter. Der Großherr nahm sie zu sich und versprach, sie nach Deutschland zu schicken und sie dort zur Gouvernante ausbilden zu lassen. Nach beendeter Ausbildung wollte er sie wieder auf sein Gut zurückholen. Aber ihre Eltern haben ihr Töchterchen nie mehr aus Deutschland zurückerwartet.

Einmal besichtigte der Großherr die Höfe seiner Bauern, um zu sehen, wie ihre Felder standen. Aber diese Überraschung — das Getreide der obengenannten Bauern war viel besser gediehen als das auf seinem eigenen Gutshof Laidze. Da wurde der Herr neidisch und versetzte gut sieben Bauern auf das Laidze-Gut. Dem Achten wies er Land am Ufer des Tīsu ezers zu. Der neunte Bauer konnte auf dem Palgas-Hof bleiben. Er erhob ihn zum Vogt n und gab seinem Hof den Namen "Palgas-Gut". Die nach Laidze versetzten Bauern beließ er dort und gab der neuen Siedlung den Namen Laidze-Dorf. Die Wohnhäuser aller sieben Höfe stehen noch heute dicht beisammen, aber jeder Bauer hat sein Ackerland und seine Wiesen zugeteilt bekommen. Die Hofgebäude sind heute weiter ausgebaut.

Nachdem der Großherr aus Palgas einen Gutshof gemacht hatte, wollte keiner der ehemaligen Bauern jenes Ortes dem Teufel in der Höhle des Pabērzs-Berges eine Gans opfern. Da ging der Teufel zu dem Gutsherrn und verlangte von ihm die jährlichen Abgaben. Aber auch der Gutsherr gab dem Teufel die Gänse nicht, sondern jagte ihn mithilfe des Pfarrers in seine Höhle zurück. Der Teufel wurde sehr zornig und bestrafte den Herrn schwer: Weder er selbst noch seine Enkel werden männliche Erben auf Zlēkas bekommen und keinem der Herren von Zlēkas werde ein langes Leben beschieden sein.

Der Fluch des Teufels hat sich erfüllt bis auf den heutigen Tag: Die alten Herren von Zlēkas hatten keine Kinder mehr, der letzte Erbe wurde in Deutschland getötet.

Aber damit hat sich der Teufel noch nicht begnügt. Er machte mehrere Bauern und Knechte zu wahren Hexenmeistern, die allen anderen Leuten in Zlēkas großen Schaden zufügten, wodurch sie sowohl Vieh wie auch Getreide verloren. Solche Hexenmeister sollen Veckušķis, Vecmača, Jaunmača, Vecvagārs und noch viele sowohl Bauern als auch Knechte gewesen sein.

Einmal lud der Teufel Vecvagārs, Jaunmača und Vecmača zu seiner Hochzeit ein. Da Vecvagārs die besseren Pferde und den schöneren Wagen hatte, wurde er der Brautführer, Jaunmača war der "Vorausreiter" und Vecmača der Diener. Alle drei sollten sich am Abend des Gründonnerstags am Eingang der Höhle einfinden. Vecmača hatte sich seine Sonntagskleider angezogen und begab sich zu Vecvagārs, der seine besten Pferde vor den neuen Wagen spannte; dann fuhren beide zu der Höhle des Pabērzs-Berges. Jaunmača sattelte sein bestes Pferd, bestieg es und ritt ebenfalls zur Pabērzs-Höhle. Alle drei trafen zur gleichen Zeit dort ein. Sobald die Hochzeitsgäste eingetroffen waren, kam auch der Teufel mit seinem Bräutchen aus der Höhle hervor und begrüßte sie liebenswürdig. Der Bräutigam und die Braut hatten mehrere Flaschen Wein und Schnaps, Kuchen, Wurst und einen Sack mit sehr weichen und schönen Äpfeln mitgebracht. Als der Diener alle Köstlichkeiten in den Wagen verpackt hatte, stiegen die Braut und der Bräutigam hinten in den Wagen ein, der Diener und der Kutscher saßen vorn, und so kamen sie alle glücklich an der Korndarre von Palgas an. Hier ließ der Bräutigam anhalten: Zuerst solle man vespern, es sei nicht recht, mit nüchternem Magen den Weg fortzusetzen. Der Brautführer hielt auf Wunsch des Teufels die Pferde an. Vecmača als Diener half dem Brautpaar aus dem Wagen zu steigen und packte dann Schnaps, Festbrote und Würste aus dem Wagen, die der Teufel mitgenommen hatte. Alle fünf setzten sich hin und aßen und tranken, und als sie zuletzt schon ziemlich berauscht waren, tranken sie noch auf das Wohl und die Gesundheit des jungen Paares. Dazu aßen sie die köstlichen Brote und die fetten Würste.

Schließlich forderte der Teufel alle auf, wieder weiterzufahren. Der Diener Vecmača packte die vollen Flaschen in den Wagen zurück, wobei er dem Teufel eine Flasche stahl. Jaunmača stahl ihm ein paar Würste und Vecvagārs einige Festbrote. Dann setzten sich alle vier wieder in den Wagen und fuhren weiter. Jaunmača schwang sich auf den Rücken des Pferdes und ritt voran. Vecvagārs, der sich einen ordentlichen Rausch angetrunken hatte, knallte an der Scheune von Palgas im Vorbeifahren mächtig mit der Peitsche. Von dem Knall fiel der allergrößte Stein aus der Grundmauer der Scheune, den man noch heute sehen kann. Als sie durch den Gutshof von Cirkale fuhren, knallte Vecvagārs an dem Stall von Cirkale wieder mit seiner Peitsche. Von diesem Knall verdrehte sich die eine Ecke des Stalles und wurde schief. Auch die schiefe Ecke kann man noch heute besichtigen.

Als sie die Mutuļi-Quelle erreicht hatten, ließ der Bräutigam wieder anhalten. Der Diener Vecmača war dem jungen Paar beim Aussteigen behilflich. Er holte Weinflaschen, Äpfel, Würste und Festbrote aus dem Wagen und nun begann das richtige Festgelage mit Essen und Trinken. Sie leerten die Wein- und Schnapsflaschen eine nach der anderen. Plötzlich rief der Teufel aus: "Ich habe keine Zeit mehr, ich muss mich beeilen! Und er flog in Richtung des Usmas ezers, dass die Bäume sich wiegten und zu rauschen begannen. Als der Teufel davongeeilt war, begann Vecmača ein Gespräch mit der Braut und fragte sie, wer sie sei. "Das will ich euch gern erzählen", antwortete sie, "vor mehr als hundert Jahren befanden sich dort, wo heute der Gutshof Palgas steht, die Höfe der Bauern, die heute Laidze bilden; dazu gehörte auch noch der Tīsi-Hof. Mein Vater arbeitete als Knecht beim Kalējs-Bauern. Er hatte etwas eigenes Land in der Nähe der Pabērzs-Höhle. Als kleines Mädchen bin ich meinem Vater nachgelaufen, als er sein Feld bearbeite. Einmal war ich nahe an die Höhle herangegangen und hörte darin schönes Singen und Spielen, dem ich gar zu gern lauschen wollte. Meine Eltern ermahnten mich stets, nicht an die Höhle zu gehen, nicht selten bekam ich Ruten dafür, aber was half es – ich schlich heimlich davon und lief zur Teufelshöhle, um dem schönen Singen zu lauschen. Als ich sechzehn wurde, segnete der Pfarrer mich und nun war ich ein erwachsenes Mädchen. Am Johannisabend hatten sich alle Leute am Johannisfeuer versammelt, aber ich bin allein zur Teufelshöhle gegangen, um dem schönen Singen zu lauschen. Zwei Jahre später hat der Teufel die Freitreppe für unseren Großherrn geschmiedet. Der Herr ließ mich aufs Schloss rufen und sagte dann meinen Eltern, dass er mich nach Deutschland schicken wolle. Aber ich wurde nirgends hingeschickt. Man gab mich dem Teufel zur Belohnung für die ausgeführte Arbeit. Der Teufel nahm mich in die Höhle des Pabērža kalns mit, wo ich bis zum heutigen Tag gelebt habe. Ihr habt mich heute gesehen, als ich zum ersten Mal aus der Höhle gekommen bin." Plötzlich hörte man gewaltiges Rauschen, das sich aus der Richtung vom Usmas ezers näherte. Der Teufel kam herbeigeeilt und rief aus: "Der Morgen dämmert schon!" Vecmača fragte den Teufel, wie es ihm ergangen sei. Die Antwort war kurz: "Gut! Heute Morgen habe ich bereits drei (Seelen) in meinen Sack stecken können. Der eine war heute, am Karfreytagmorgen, zum Fischstehlen gegangen: Er ist in eine Wuhne gefallen und ertrunken. Eine andere hat sich um ihres Bräutigams willen ertränkt. Einer Dritten hat ein Bursche alle ihre Ersparnisse abgelistet. Sie hat sich in den Brunnen gestürzt und ist ertrunken."

Der Teufel bedankte sich bei den Hochzeitsgästen, stürzte sich dann zusammen mit seiner Frau in die Mutuļi-Quelle und verschwand.

Die Hochzeitsgäste hatten noch eine Flasche Schnaps, eine Flasche Wein und ein Säckchen mit Äpfeln als Reiseproviant. Nachdem der Bräutigam und die Braut verschwunden waren, zog Vecvagārs die Weinflasche und Vecmača die Äpfel hervor. Dann setzten sie sich in den Wagen und machten sich auf den Heimweg. Jaunmača ritt wieder voran. Als sie den Friedhof von Cirkale erreicht hatten, beschlossen sie, den Rest des Hochzeitsmahles zum Frühstück zu verzehren. Als sie in den Wald kamen, bogen sie ein wenig von der Straße ab, sammelten trockene Zweige und machten ein Lagerfeuer an, denn der Morgen war kalt und ihre Hände und Füße waren kalt geworden. Als das Feuer munter zu prasseln begann und alle drei sich gut erwärmt hatten, zog Vecvagārs die dem Teufel gestohlene Schnapsflasche hervor, öffnete sie und nahm einen ordentlichen Schluck auf das Wohl des jungen Paares. Er spie es aber gleich aus, rümpfte die Nase und reichte die Flasche Vecmača, der ebenfalls einen ordentlichen Schluck daraus nahm. Dann schlug er mit der Flasche Vecvagārs auf den Kopf und schrie: "Hältst du uns für die letzten Dummköpfe, dass du uns Pisse als Schnaps zu trinken gibst!" Auch der Wein erwies sich als Pisse, die Festbrote und die Würste waren Mist und Unrat. Da sprach Jaunmača: "Wisst ihr was, Brüder? Hören wir lieber auf, dem Teufel zu dienen, denn es bringt uns nichts Gutes. Dafür haben wir anderen Menschen viel Schaden zugefügt, liebe Freunde, lassen wir die Werke des Teufels, denn wir wollen nicht auch unsere Kinder auf die Wege des Teufels führen." Alle drei Hexenmeister reichten sich die Hände und sagten: "Amen!" Nach vielen Jahren fielen sie wieder einmal auf die Knie und flehten Gott an, ihnen ihre Sünden zu vergeben, die sie bis jetzt im Dienst des Bösen begangen hatten. Dann trennten sie sich als Freunde und gingen nach Hause. Sie gaben denn auch wahrhaftig die Hexerei auf und bewahrten ihre Kinder vor den Werken des Teufels.

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