Latgale (Letgallen)

From Pasakas un teikas
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Balvi. Der König von Balvi hatte einen einzigen Sohn. Er wollte heiraten, konnte aber kein Mädchen finden, das nach seinem Sinn gewesen wäre. Die eine hatte den Fehler, die andere jenen. Da befahl der Herrscher, dass alle Jungfrauen des Landes seinem Sohn vorgeführt würden. Die Jungfrauen kamen, aber vergeblich: Keine von ihnen fand die Gunst des Königssohnes. Einmal ritt der Königssohn durch den Wald und dachte darüber nach, wie er eine Frau finden könnte. Plötzlich erblickte er eine Jungfrau, weiß wie das Mondlicht, schön wie eine weiße Rose. Dem Jüngling gefiel sie auf den ersten Blick. Eine so wunderschöne Jungfrau hatte er noch nie gesehen, von einer solchen hatte er nicht einmal in einem Märchen gehört. "Wer bist du?“, fragte er. "Komm, ich will dich zur Frau nehmen! Ich bin der Sohn des Königs von Balvi." "Ich will gern deine Frau werden", antwortete die Jungfrau. Geh nach Hause und richte die Hochzeit. Wenn alles fertig sein wird, werde ich kommen und dir sagen, wer ich bin." Gut. Der Königssohn eilte aufs Schloss zurück und teilte seinem Vater mit, dass er eine Frau gefunden habe.

Ein halbes Jahr dauerten die Vorbereitungen zur Hochzeit. Kostbare Weine wurden besorgt, Bier wurde gebraut, die verschiedensten Gerichte zubereitet. Dann wurden hohe Gäste eingeladen. Als alles fertig war, wartete man auf die Ankunft der Frau. Man brauchte gar nicht lange zu warten. Die Braut betrat das Schloss, als wäre sie plötzlich aus der Luft heruntergefallen. Der Königssohn wollte seine Braut in seine Gemächer führen, um ihr kostbaren Schmuck und andere Gaben überreichen, aber sie wehrte ab. "Ich habe zuerst mit dir etwas zu besprechen, denn ich habe dir ja noch nicht gesagt, wer ich bin. Sie gingen, zusammen hinaus vor die Burg zu einer Stelle, wo prächtige Bäume und ausgesucht schöne Blumen standen. "Nimm einen Spaten", sagte die Braut, "und grabe an dieser Stelle!" Was sollte der Königssohn machen? Er musste seiner Braut gehorchen. Deshalb ergriff er den Spaten und begann zu graben. Schließlich stieß er auf ein Häuflein Asche. Darunter lagen Menschengebeine. "Du konntest keine Braut finden", sprach die Jungfrau, "weil dein Vater ein Mädchen unglücklich gemacht hat, dessen Gebeine du jetzt ausgegraben hast. Du hast dich in mich verliebt, und ich bin heute gekommen, um dich mitzunehmen. Ich bin der Tod, und du musst heute sterben." Als die Hochzeitsgäste in den Garten kamen, fanden sie den Königssohn auf den ausgegrabenen Gebeinen liegen – tot. Die Braut war verschwunden – als wäre sie ins Wasser gefallen. Anstelle der Hochzeit gab es eine Beerdigung.

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