Das Leben der Menschen in der ältesten Zeit

From Pasakas un teikas
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Comments: Nach ihrem Inhalt erinnert die vorliegende Sage an das Märchen Nr. 174 des I. Bdes (S. 372); wegen der Schilderung der Hochzeitsbräuche wurde sie an dieser Stelle aufgenommen. P.Š.


Es lebte einmal eine Bauerntochter namens Dzeguze (Kuckuck, lettisch weibl.). Sie war sehr schön, aber sie hatte eine schwere Zunge und war leider auch recht einfältig. Einmal hatte die Mutter für ihre Dzeguze einen Freier ausfindig gemacht und ihm heimlich — ohne das Wissen der Dzeguze — ihre Tochter schon versprochen. Gut. Der Hochzeitstag kam heran. Der Freier und seine Begleiter kamen auf den Hof gefahren und begannen vor dem Tor zu singen. (Nach alter Sitte wurde das Tor erst dann geöffnet, wenn die Brautwerber die Hofleute mit Liedern besiegt hatten.) Dzeguze stand vor der Haustür und wunderte sich. Da kam ihre Mutter herbeigeeilt und ermunterte sie: "Dzeguze, Töchterlein, was stehst du so lahm herum? Geh und sing du auch mit, damit der Bräutigam sieht, dass du ein munteres Mädchen bist!" – "Kuv teic? Kuv? (=Was hast du gesagt? Was?) lispelte die einfältige Dzeguze. "Kuv, kuv! Was ist denn das für eine Sprache? Musst du denn heute so sprechen? Geh, geh, besinge die Brautwerber! Hast du nun verstanden?" Sie machte sich auf den Weg, aber sie dachte, dass man das "kuv! kuv!" auch mitsingen müsse, deshalb begann sie: "Brautwerber, kuv ka, kuv ka!" Jetzt merkte der Bräutigam wohl, was mit dem Mädchen los war, wendete die Pferde und sprach: "Nein, eine solche Dzeguze werde ich nicht heiraten!" Wegen einer solchen Schmach floh Dzeguze in den Wald und wurde zu einem grauen Vogel, zu einem Kuckuck. In ihrem Kummer schreit sie noch heute: "Ku ka, kuv ka!"

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