Das Leben der Menschen in der ältesten Zeit

From Pasakas un teikas
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Noch heute werden in Vietalva und Kalsnava Greise leben, die sich an die alte Āļa, eine große, dürre Frau mit schwarzen, feurigen Augen, erinnern werden. Sie war nicht nur in der ganzen Gegend, sondern auch bei den Juden von Jaun-Jelgava und. Jēkabpils als die Perlenfischerin von Veseta bekannt. Der Preis auf dem Perlenmarkt war ein Lof Roggen für eine Perle. Auch ich erinnere mich, die Perlen der Veseta gesehen und mich über sie gefreut zu haben; leider ist es mir nie gelungen, selbst welche zu finden, obwohl ich ernsthaft danach gesucht habe. Es wurde erzählt, dass die Großfrau von Vietalva ihren Töchtern Schmuck aus Veseta-Perlen gekauft hatte, was beweist, dass sie nicht zu verschmähen waren.

So mancher Winter war vergangen, der Āļas Haar gebleicht hatte. In ihrem Frühling war sie die prächtigste Rose im Garten gewesen, und ihre Augen legten noch im Alter ein Zeugnis darüber ab. Alte Mütterchen wissen zu erzählen, dass es ihr an Freiern nicht gemangelt hatte, aber sie habe darüber nur gelacht. Einer der abgewiesenen Freier hielt auf dem Heimritt an der Wegkreuzung an, wandte sich gegen Norden, Süden, Westen und Osten, rief die Windmutter an und schleuderte dann die Honigflasche gegen einen Stein, indem er ausrief: "Sollen alle Wünsche, Āļa zu heiraten, so zerschmettert werden wie diese Flasche!" Dann ritt er heim und warf seinen Sattel verkehrt herum auf den Ofen. Die Winde hatten es gehört, die Winde hatten es weitergetragen, und von da ab hat Āļa keinen Freier mehr zu sehen bekommen. Die Jahre vergingen. Einmal saß Āļa am Ufer der Veseta und dachte über ihr Schicksal nach. "Ach, Mutter Veseta, erbarme dich meiner!", seufzte sie und schickt sich an, in die Veseta zu springen. Plötzlich erblickte sie die Mutter Veseta selbst in Frauengestalt im Wasser und wich erschrocken zurück. Nach einer Weile beruhigte sie sich, kehrte ans Ufer zurück, aber nun sah sie nur ihr eigenes Spiegelbild und eine Muschel im Wasser. Ihre Ohren vernahmen eine Stimme, welche ihr sagte, sie solle die Muschel aus dem Fluss holen, Mutter Veseta habe sie ihr hinterlassen. Sie stieg ins Wasser und holte die Muschel hervor und betrachtete sie aufmerksam: die Muschel sah wie alle anderen Muscheln aus, aber als sie sie geöffnet hatte, fand sie darin eine schöne Perle. So ist sie zur Perlenfischerin geworden, und Mutter Veseta hat ihr noch manche schöne Perle geschenkt.

Pēteris Tuteņš — vielleicht lebt er noch — hat erzählt, dass Āļa besondere Künste gekannt habe. Einmal habe er selbst, im Gebüsch versteckt, beobachtet, wie Āļa eine Muschel hervor geholt, sie ein wenig geöffnet und in sie etwas hineingetan habe — etwas, das wie ein winzig kleines Steinsplitterchen ausgesehen habe. Dann hat sie die Deckel der Muschel wieder fest zusammengedrückt und ins Wasser zurückgeworfen. Ein paar Jahre später hatte sie an derselben Stelle die Muschel herausgeholt — jetzt mit einer Perle darin. Sie hat die Muschel zum Züchten von Perlen benutzt. Wo sie das gelernt hatte, das sei keiner Menschenseele verraten. Vielleicht hat ihr das Mutter Veseta beigebracht?

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