Harte Strafen

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search

Etwa eine Werst nördlich von Turaida (Treyden) sieht man einen schmalen Bergrücken, der mit alten Kiefern bewachsen ist. Er wird Karātavu kalns (Galgenberg) genannt. Früher gab es dort einen Galgen. Es war der Ort, an dem Verbrecher gehängt, erschlagen und verbrannt wurden. Auf dem Bergrücken ist noch heute eine ziemlich tiefe Grube zu sehen, in der man Asche und feine Kohlenstücke findet. Die Letzte, deren Strafe auf dem Galgenberg vollzogen wurde, soll ein junges Mädchen gewesen sein. Ein altes Mütterchen erzählte, dass die junge Verurteilte namens Trīna auf dem P.-Hof gelebt und dem V.-Geschlecht, das noch heute auf dem V.-Hof lebt, angehört habe. Sie hatte ihr Kindchen umgebracht und es auf dem Galgenberg im Moos versteckt. Das Vieh, das dort gehütet wurde, hatte den Leichnam aufgespürt und so das Verbrechen sozusagen ans Licht gebracht. Das Mädchen wurde durch das Beil des Henkers zum Tode verurteilt. Am Tage des Strafvollzugs waren alle Leute — so war es üblich — zum Galgenberg getrieben worden. Um den Platz des Strafvollzugs war ein Zaun errichtet worden. Die Verurteilte wurde in dem großen schwarzen Wagen des Gutshofes zum Galgenberg gebracht; der Pfarrer und der Henker mit seinen Gehilfen begleiteten den Wagen. Der Henker wollte die schöne Verurteilte überreden, seine Frau zu werden, denn auf diese Weise hätte sie ihrer Strafe entgehen können, aber sie ließ sich darauf nicht ein. Dann überreichte der Pfarrer ihr einen goldenen Apfel zum Zeichen, dass sie von der verbotenen Frucht genossen hatte. Sie warf ihn Peter V. zu — er solle ihn verwahren. Die Strafe wurde vollzogen. Der Leib wurde auf den Scheiterhaufen gelegt, nur der Kopf mit den goldenen Haaren war auf der Erde liegen geblieben. Als der Henker sein Werkzeuge zusammensuchte, bemerkte er den Kopf und rief seine Gehilfen zu: "Da ist noch der Kopf!" Sie warfen auch den Kopf in die Flammen. Die Asche wurde ins Wasser gestreut. An jenem letzten Straftag wurden auf dem Galgenberg 13 Klafter Holz verbrannt. Nach anderer Überlieferung soll die Bestrafung nach dem Sonnenuntergang erfolgt sein, wobei die Verurteilte gesungen haben soll: “Ej saulīte drīz pie Dieva" (Gehe Sonne, bald zu Gott!).

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox