Harte Strafen

From Pasakas un teikas
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"Die Magd des Grūbas-Hofes war die letzte, mein Söhnchen, die, am Kirchenpfahl angebunden, an drei Sonntagen hinter einander ausgepeitscht wurde. Ach Gottchen, wie sie sich von einer Seite zur anderen warf. Es waren zwei Auspeitscher da. Der eine stand an der einen Seite, der andere an der anderen. Wenn der eine zuschlug, sank sie nach der anderen Seite hin, wenn der andere zuschlug, fiel sie wieder zurück. Die Arme waren oben an den Pfahl festgebunden, der Kopf war mit einem Tuch umhüllt. Der Leib war mit einem dünnen Tuch bedeckt, das die Hiebe durchließ. An dem ersten Sonntag, als sie geschlagen wurde, war ich nicht in der Kirche: Sie habe so geschrien und gejammert, dass die Kirchgänger beim Anhören in Ohnmacht gefallen seien. Andere sind durch den Seitenausgang entkommen, über den Wall gesprungen und nach Hause geeilt, um nicht bei der Folterung der Magd zusehen zu müssen. Was waren das für Zeiten! Der Vater unseres Mītelis (Müthel) war damals Pfarrer unserer Gemeinde."

"Bald sahen wir den Vogt kommen. Die Mägde nannten ihn den Sterngucker, weil er in seinem Hochmut den Kopf so hoch trug und stets in die Luft sah. Überall, wo nur die Vögte herankommen konnten, wurden Leute geprügelt. Der Fronarbeiter hatte sich noch nicht umgesehen, da sauste schon die Rute des Vogtes auf seine Schultern hinab. Konnte der zu Prügelnde sich nicht auf den Beinen halten, mussten andere Fronarbeiter ihn halten. Der Vogt selbst schlug zu, wo und wie er nur herankam. Die Magd des Grubenhofes hatte kein Vergehen gegen den Herrn, sondern gegen den Gruben-Bauern selbst begangen. Dem Bauer waren 25 Rubel abhandengekommen — das war die ganze Schuld. Er hatte die Magd in Verdacht und verklagte sie beim Großherrn. Der Großherr beschloss, dass die Magd vor der Kirche zur Abschreckung anderer, die sich nicht einfallen lassen sollten, ebenfalls zu stehlen, ausgepeitscht werden sollte. Nachdem man die Magd an drei Sonntagen ausgepeitscht hatte, wurde sie nach Sibirien verbannt. Sie soll noch am Leben sein. In Sibirien habe sie einen Verbannten geheiratet, beide seien reich geworden und hätten es gut. Aber der Sohn des Grubenbauers habe die Fallsucht: Wohl bringt man ihn zu Ärzten, zu Besprechern und Kurpfuschern, aber es hilft ihm nichts — er leidet für die Sünden des Vaters. Damals wurden Verurteilte mit glühendem Eisen Zeichen in die Haut gebrannt: So konnten ihn alle Leute erkennen und es war ihm nicht möglich, aus Sibirien zu fliehen."

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