Quälen und Foltern

From Pasakas un teikas
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Nun, über den alten Baron von Jaunbilska weiß ich auch Einiges zu berichten. Der war völlig verrückt. Als der Wahn ihn packte, sprang er aufs Pferd und galoppierte in der Gemeinde umher. Jeden, den er nur erwischen konnte, ließ er schuldlos auspeitschen. Sein Bote ritt mit einem Rutenbündel hinter ihm her: Er war der Auspeitscher, während der Baron selbst auf dem Pferd sitzen blieb und zusah. Einmal kam der Baron auf den Migla-Hof galoppiert. Als die Leute bemerkten, dass der Baron plötzlich da war, suchten sie das Weite. Nur ein alter Mann namens Lasmanis war zu Hause geblieben. Als nun der Baron ins Haus stürzte und niemand andere fand, befahl er seinem Boten, den Alten zu Boden zu werfen und ihn auszupeitschen. Später wurde erzählt, dass der Alte dabei den Tod gefunden habe. Ein anderes Mal ließ der Baron eine völlig unschuldige schwangere Frau auspeitschen, die dennoch am Leben blieb.

Aber nun nahm ihr Ehemann allen Mut zusammen und wollte den Baron verklagen. Als es dem Baron zu Ohren kam, ließ er den Mann zu sich aufs Gut kommen und sagte, er solle es nicht tun. Aber der Mann ließ sich nicht überreden. An demselben Tag wollte der Zuchtbulle des Gutshofes den Baron umbringen. Darüber war der Baron so erbost, dass er den Bullen schlachten ließ. Es war kurz vor Pfingsten. Da veranstaltete der Baron ein großes Festgelage und lud die ganze Gemeinde dazu ein. Vor dem Speicher wurde gegessen und getrunken. Ich war damals ein kleiner Junge und war ebenfalls mitgegangen. Am Abend kam der Baron mit einer großen Tasche heraus, die mit Kupfermünzen gefüllt war. Er streute die Münzen auf den Weg, der vom Speicher zum Herrenhaus führte, aber nur die kleinen Kinder durften die Münzen aufheben. Ich kam auch herbeigelaufen, aber man ließ mich nicht heran, denn ich war schon ziemlich groß an Gestalt, jedoch nicht an Jahren.

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