Seen

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search
Comments: Diese Variante in ihrer Kurzform hat auch Lerchis-Puškaitis in seiner Sammlung aufgenommen (VII, I, 1300, 6). P. Š.


Dort, wo sich heute der Liezeres ezers befindet, erstreckte sich vor langer Zeit ein fruchtbares Tal, in dem wohlhabende Menschen lebten. An einem Sommernachmittag, als die Kornfelder schon gelb waren und reiche Ernte versprachen, näherte sich von Südwesten eine dunkle Wolke, die stark rauschte und über den friedlichen Leutchen stehen blieb. Sie sahen das Unglück nahen und jammerten, weil sie nicht wussten, was sie tun sollten. Plötzlich rief eine Frau aus: "Der Liezera ezers kommt!" Da ließ der See sich sogleich hinabfallen und deckte alles im Tal zu: Häuser, Felder und alle Menschen. Der See sei nach einem starken Regen in dem Südzipfel der Gemeinde Mēdzūla entstanden und sei dann nach Liezere geflogen. An der Stelle, wo er zuerst gelegen hatte, hatte ein großes Moor zurückgelassen, das heutige Lietavas purvs. In dem Moor sind Untiefen zu finden, die davon Zeugen, dass früher an der Stelle ein See gewesen sein muss.

Vor noch nicht sehr langer Zeit konnte man auf dem Grund des Liezeres ezers Wohnhäuser sehen. Ganz deutlich war eine Korndarre zu sehen, an der Pflüge und andere Wirtschaftsgeräte angelehnt waren. Einmal sei aus dem Liezeres ezers eine kleinere Glocke herausgeholt worden. Zuerst hat man sie auf den Gutshof gebracht, um für die Mahlzeiten zu läuten, aber sie sei stumm geblieben. Schließlich hat man sie auf den Friedhof gebracht. Und nun begann sie wunderschön zu läuten, als würde sie sagen: "Heute für jene, Morgen für dich!" Dieselbe Glocke soll noch heute auf dem Friedhof von Liezere ihren Dienst tun.

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox