Seen

From Pasakas un teikas
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Die Sage über die Entstehung des Vaļģeru ezers wird noch heute gern erzählt. Der See hat seinen Namen von dem Gutshof Vaļģere, der seit langer Zeit auf seinem Grund ruht. Damals habe auf dem Gutshof ein Alter Gutsherr mit seinem Sohn und seiner Tochter gelebt. Der Sohn hatte seinen Eltern keine Freude gemacht, er war ein Taugenichts. Deshalb wollte seine Mutter nicht, dass der Sohn eines Tages das Gut erben würde, sie wollte es lieber der Tochter hinterlassen. Als die Mutter im Sterben lag, übergab sie der Tochter ihren Ring und sagte, dass der Gutshof — wenn sie sich einmal verheiraten würde — ihr gehören solle. Da entstanden böse Gedanken im Herzen des Sohnes: Er begehrte den Gutshof und beschloss, seine eigene Schwester zu heiraten. Diese seine Absicht erschütterte seinen Vater so sehr, dass er krank wurde und bald darauf starb. Gleich nach dem Tode des Vaters suchte der Sohn den Pfarrer auf und befahl ihm, aufs Gut zu erscheinen, um ihn mit seiner Schwester zu trauen, andernfalls müsse er seine gute Stellung verlieren. Wohl flehte der Pfarrer ihn an, die böse Absicht zu verwerfen, denn niemals dürfe ein Bruder seine Schwester heiraten, aber es war vergeblich. Schließlich sagte der Pfarrer, der seine gute Stellung nicht verlieren wollte, zu. Als nun der Pfarrer zur Trauung fuhr, wurde er von einer Schar Raben begleitet, die ihm krächzend von dem Pfarrgut bis zum Gutshof folgten. Auf dem Gutshof waren die Hochzeitsgäste eingetroffen, aber die Braut — die Schwester des Bräutigams — war in Ohnmacht gefallen. Schließlich traute er sie. Nach der vollzogenen Trauung flehte der Kutscher den Pfarrer an, so schnell wie nur möglich nach Hause zu fahren, denn Gottes Strafe müsse bald den Gutshof ereilen. Gut, sie machten sich auf den Heimweg. Der Himmel bewölkte sich schnell. Als sie ein Stück Weges zurückgelegt hatten, vernahmen sie gewaltiges Brausen und Tosen. Sie schauten zurück: Gerade in dem Augenblick wurde der Gutshof von einem großen See überflutet. Sie fuhren weiter und kamen an einen Bach. Dort stieg der Pfarrer aus, wusch seine Hände in dem Bächlein und beteuerte, dass er an der Strafe Gottes keine Schuld habe. Auf dem See hat man später noch lange zwei Enten gesehen — die sollen Bruder und Schwester gewesen sein. Und noch jetzt kann man an klaren Sommertagen, wenn das Wasser ruhig und durchsichtig ist, auf dem Grund des Sees Mauerreste sehen.

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