Seen

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search
Comments: Eine ähnliche Sage ist auch in Nr. 7, 1885, des "Austrums" abgedruckt worden. (LP, VII ,1, 1301, 9.) P. Š.


An der Stelle, wo heute in der Nähe von Liel-Auce ein See wogt, befanden sich früher mehrere Bauernhöfe. In der Nähe der Höfe befand sich eine große Moorwiese, die allen Bauern gemeinsam gehörte. Einmal hatten die Burschen des einen Hofes, die zur Nachthütung ausgeritten waren, am Rande der Wiese ein Lagerfeuer angezündet. Danach waren sie zu den Nachthütern des Nachbarhofes gegangen, die sich an der anderen Seite der Moorwiese niedergelassen hatten, um mit ihnen ein wenig zu plaudern. Als sie zurückkehrten, fanden sie das Feuer erloschen. Aus der Asche war ein hohes junges Schilfrohr erwachsen. Am nächsten Tag war das Schilfrohr zwar verdorrt, aber dafür trieb es in der kommenden Nacht einen noch viel höheren Schössling. So erneuerte es sich, dreimal hintereinander. Über das unerhörte Wunder wurde in Liel-Auce und weiterer Umgebung viel geredet. Wahrsager und Weissager betrachteten es als ein untrügliches Zeichen eines nahenden Unglücks und versuchten die Bewohner der Höfe zur Flucht zu überreden. Einige befolgten ihren Rat, andere wiederum blieben noch abwartend zurück, um zu sehen, was es nun wirklich geschehen würde. Da überraschte die Übermütigen eine sich schnell heraufziehende schwarze Wolke, aus der eine laute Stimme rief: "Flieht, flieht! Denn diese Höfe werden von einem See überflutet werden, der so lange hier bleiben wird, bis jemand seinen Namen erraten wird!" Der Donner grollte, die Blitze zuckten, der Sturm brauste, die Erde dröhnte und die Wolke stürzte herab und verwandelte sich in einen See. Nur mit Mühe und Not sind die übermütigen Bewohner der Bauernhöfe dem Tod entronnen. Wohl versuchten sie, den Namen des Sees zu erraten, aber vergeblich.

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox