Flüsse

From Pasakas un teikas
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Am Rand der Straße, die von Strenči nach Trikāta führt, entspringt in der Nähe des Bauernhofes Aušas eine Quelle.

Die Quelle setzt ihren Weg durch das alte Flussbett von Gauja fort und mündet schließlich in die Gauja. Der kleine Fluss wird Rupucis (= etwa Kröte) genannt. In dem alten Flussbett liegen vermoderte Baumstämme aus wer weiß welcher Zeit. Weicher Schlamm und große Wasserrosenblätter lassen den Grund nicht sehen. Versucht man den Grund mit einer langen Stange zu erreichen, macht der aufsteigende Schlamm das Wasser undurchsichtig, aber die Stange gleitet tiefer und tiefer, ohne auf festen Grund zu stoßen. Wenn man am Ufer sitzt, kann man oft große Hechte beobachten, die von einem modernden Baumstamm zum anderen schwimmen, aber selten geht einer der großen Hechte in eine Reuse. Mit dem Angelhaken oder Netz aber kann man sie erst recht nicht einfangen. Einmal hatten russische Soldaten so viele Granaten in den Fluss geworfen, dass das Wasser schier zu kochen begann, aber die ganze Beute waren fünf oder sechs kleine Hechte — so groß wie gewöhnliche Heringe — und einige andere kleine Fische, aber keiner der großen Hechte war dabei. Einmal jedoch, gerade um die Mittagszeit, hatte der alte Bauer Auša einen großen Hecht gefangen. Der Hecht hatte einen stumpfen Schwanz — als hätte jemand ihn abgehackt. Der alte Auša zog den Hecht ans Ufer, aber da übermannte ihn plötzlich unwiderstehlich der Schlaf, sodass er daselbst einschlief. Im Traum hört der Alte eine Stimme: "Anniņa, hast du alle Schweinchen nach Hause getrieben?" Eine Mädchenstimme — gleichsam unter der Erde — antwortet: "Alle, alle, nur Stumpfschwänzchen ist nicht dabei." Auša erwacht, nimmt den Hecht und geht nach Hause. Aber der Hecht stirbt nicht. Wie lange soll man darauf warten? Er beginnt ihn zu schuppen. Er schuppt ihn, säubert ihn, schneidet ihn in Stücke, aber der Fisch ist noch immer nicht tot: Die Stücke tanzen und hüpfen in der Schüssel. Auša bekommt es mit der Angst zu tun. Was soll er machen? Wer weiß, vielleicht wird man noch von einem Unglück heimgesucht, wenn man den Fisch auf dem Hof behält! Da nahm er die Schüssel und schüttete die Fischstücke in den Fluss zurück. Gleich darauf wurde es ihm leichter ums Herz.

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