Berge

From Pasakas un teikas
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Etwa drei Werst von der Stadt Rēzekne entfernt, erhebt sich an der Landstraße nach Viļāni auf dem Grund der Gemeinde Ūzulmuiža ein Berg, den man Pils kalns (Burgberg) nennt. Auf dem Berg wächst kein Gras, er ist ganz kahl. Um den Berg herum wachsen viele Bäume: Espen und Birken. Alte Leute erzählen, dass vor langer Zeit auf jenem Berg eine Burg und eine Kirche gestanden haben. Der Pfarrer lebte in der Burg. Der Pfarrer lebte lange Jahre, war sehr gottesfürchtig und betete zu Gott aus tiefstem Herzen. Aber mit der Zeit begann der Pfarrer zu sündigen, und Gott selbst konnte nicht mehr sein Treiben ertragen. Einmal hatten sich am Ostersonntag viele Leute in der Kirche versammelt. Gerade um Mitternacht erhob der Pfarrer das Kreuz und sprach: "Christus ist auferstanden, Halleluja!" In demselben Augenblick erhob sich gewaltiger Wind, ein Ungewitter mit Donnerschlägen brach aus, die Erde erzitterte und die Kirche mit allen Leuten und die Burg versank in die Tiefen der Erde. An der Stelle, wo sie gestanden hatten, blieb kahler, weißer Sand zurück. Die Leute erzählen, dass derjenige, der sich vergewissern möchte, ob die Kirche sich unter der Erde befinde, in der Osternacht um die zwölfte Stunde den Berg besteigen soll. Dann wird er unter der Erde Glockengeläut, Orgelspiel und das Singen der Leute hören.

Eine Frau, die einmal in der Osternacht zur Kirche ging, hörte, dass jemand auf dem Berg wunderschön sang. Sie ging näher heran und erblickte einen jungen hübschen Burschen, der Priesterkleidung anhatte. Die Frau fragte den Jüngling, was er auf dem Berg mache. Der Jüngling antwortete: "Ich bin ein Mensch, der viel gesündigt hat. Einmal im Jahr, an diesem Tag, darf ich auf der Erde erscheinen." Die Frau begann ihn auszufragen, und er erzählte ihr alles und belehrte sie, wie sie ihn samt Kirche und Burg erretten und aus der Erde herausholen könnte. Die Frau unterhielt sich lange Zeit mit dem Jüngling, aber bald darauf verschwand er. Der Jüngling war der Pfarrer selbst gewesen, der zusammen mit der Kirche versunken war. Nächstes Jahr ging die Frau am gleichen Sonnabend zum Berg, um den Pfarrer samt Kirche und allen Kirchgängern zu erretten, aber sie hatte vergessen, wie sie das machen sollte. Sie hatte die Worte vergessen, die der Mann oder Pfarrer sie gelehrt hatte. Diesmal sah sie niemanden und kehrte nach Hause zurück, wobei sie dachte, es nächstes Jahr besser zu machen und die Kirche samt den darin verbliebenen Menschen zu retten. Vor lauter Überlegungen verlor sie den Verstand und ist bald darauf gestorben. So ist es gekommen, dass niemand die Kirche und den Pfarrer mit den Kirchgängern retten kann.

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