Wölfe

From Pasakas un teikas
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Hinter dem Malējas-Hof der Gemeinde Palsmane steht am Rande der Landstraße eine alte Eiche. An jener Eiche pflegten sich Wölfe in großer Zahl zu versammeln. Dann heulten sie dort die Nächte durch. Einmal war es wieder so weit, dass die Wölfe sich zum Heulen versammelten, und ein Bursche hatte beschlossen, sie dabei zu beobachten und zu erfahren, weshalb sie so heulten. Er kletterte bereits am frühen Abend auf die Eiche und begann zu warten, dass die Wölfe sich versammelten. Als es dunkel wurde, kamen Wölfe von allen Seiten herbeigelaufen und setzten sich im Kreis unter die Eiche hin. Als sich bereits große Mengen Wölfe versammelt hatten, kam ein sehr großer Wolf mit einem Reiter auf dem Rücken angerannt. Als der Wolf mit dem Reiter die Eiche erreicht hatte, fragte der Reiter: "Sind alle schon da?" Die versammelten Wölfe antworteten, dass alle anderen da seien, nur der Hinkebein fehle noch. Der Reiter bestimmte die Nahrung für jeden der anwesenden Wölfe: Der eine durfte Lämmer reißen, der andere Fohlen. Inzwischen war auch Hinkebein angekommen. Da den anderen Wölfen ihre Nahrung bereits zugeteilt war, fragte Hinkebein: "Und was bleibt für mich?"

"Nun, du kannst den bekommen, der auf dem Baum hockt!" sagte der Reiter und zeigte auf den Burschen, der in der Eiche saß.

Die Wölfe, denen die Nahrung zugeteilt worden war, zerstreuten sich, auch der Reiter verschwand, nur Hinkebein blieb unter der Eiche hocken. Der Bursche wartete darauf, dass er endlich davonschleichen würde, um herunterzuklettern, aber Hinkebein rührte sich nicht von der Stelle. Es war eine sehr kalte Nacht und der Bursche fror erbärmlich. Er musste bis zum Morgengrauen auf dem Ast hocken, denn erst im Morgengrauen schleppte sich Hinkebein langsam in den Wald. Der Bursche kletterte vom Baum herunter und ging nach Hause, aber zu Hause erkrankte er schwer und starb drei Tage später.

Hinkebein aber schlich um das Haus, in dem der Bursche gelebt hatte. Der Bursche wurde zum Friedhof gebracht und beerdigt, so dass Hinkebein nicht an ihn herankommen konnte.

Aber noch in der darauffolgenden Nacht lief der Wolf zum Friedhof, scharrte den Burschen aus dem Grabe und fraß ihn auf.

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