Wölfe

From Pasakas un teikas
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Comments: Eine ähnliche Sage hat auch H. Skujiņa in Smiltene aufgeschrieben und die gleiche Sage habe ich auch in Rauna gehört. P. Š.


In alten Zeiten, als es noch viele Wölfe gab, ereigneten sich öfters sonderbare und wahre Begebenheiten. So auch diese, von der ich hier berichten will. Ein Bauer hatte aus Raummangel seine Schafe über Winter in der Badestube eingesperrt. Aber jeden Morgen fand er die Schafe nass geschwitzt und aufgescheucht vor. Der Bauer selbst und sein Gesinde wunderten sich sehr und konnten es sich in keiner Weise erklären. Da kam der Bauer auf den Gedanken, nachts Wache zu halten. Als die Sonne unterging, begab er sich zur Badestube, um sich zu vergewissern, was dort geschah. Er musste nicht lange warten. Er sah, dass ein Wolf seinen Schwanz durch das Fensterlein der Badestube steckte und so lange damit wedelte, bis er die Schafe zur Badestubentür getrieben hatte. Nun lief er auch zur Tür in der Hoffnung, eines der Schafe zu ergattern. Aber woher! Die Schafe liefen wieder zum Fensterlein. Der Bauer schaute eine Weile dem Treiben zu, dann ergriff er den Schwanz des Wolfes, wand ihn um seine Hand, stemmte sich gegen die Wand und hoffte auf diese Weise den Morgen zu erwarten. Aber vergeblich. Die Hunde hatten den Lärm gehört und witterten Jagdbeute. Da musste der Wolf sich schnell etwas einfallen lassen. In seiner verzweifelten Lage sah er bereits den sicheren Tod vor Augen. Er riss alle seine Kräfte zusammen und konnte sich losreißen, aber den Schwanz musste er in der Hand des Bauern zurücklassen.

Eine Hundeschar verfolgte den schwanzlosen Wolf. Noch im Sommer darauf hatten einige Leute einen Wolf mit einem Stummelschwanz gesehen, der wie toll durch eine Schafherde raste, als müsste er den Spott seiner Artgenossen fürchten: "Aber Bruder, wie schaust du denn aus!"

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