Verschiedene wilde Tiere und Haustiere

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In alten Zeiten lebten in einem großen, dunklen Wald zwei Brüder — Odums und Andrivs. Sie waren schon alt und hatten lange Bärte, aber so klein wie der Finger einer Menschenhand. Sie lebten in einem kleinen Häuschen und nährten sich von Beeren und Pilzen. Tieren und Vögeln stellten sie nicht nach, sie zählten sie vielmehr zu ihren Freunden. Wilde Tiere besuchten Odums und Andrivs als Gäste, ebenfalls Vögel, die sich mit ihnen unterhalten konnten. An einem Sommertag war Odums in den Wald gegangen, um Beeren und Pilze zu sammeln Andrivs war allein zu Hause Er kochte und wusch ihre Kleider, die aus Tierfellen angefertigt waren. Sie erschlugen die Tiere jedoch nicht, sondern raubten ihnen das Fell, wenn sie bereits verendet waren. Fleisch aßen sie nicht. Die Nahrung suchte Odums im Wald. Andrivs war ein sehr guter Mensch, alle Tiere hörten auf ihn und hatten ihn zum Richter erhoben. Wenn es unter Tieren oder Vögeln zu Streitigkeiten kam, begaben sie sich zu Andrivs und berichteten ihm, wie der Streit entstanden war. Andrivs wusste Rat. Eines Tages, als Odums wieder einmal nicht zu Hause war, saß Andrivs draußen vor seinem Häuschen und nähte sich ein Mützchen. Da sieht er: Ein Hase kommt herbeigehoppelt, weint und erzählt: "Gottchen mein liebes, heute ist mein liebes Frauchen gestorben." – "Ach, das tut mir aber leid!" sprach Andrivs. "Vielleicht wirst du mir ihr Fell für ein Pelzchen geben?" – "Gut", sagte der Hase, "geh und nimm es dir, sie liegt vor meinem Häuschen." Und der Hase weinte und schrie, der Fuchs habe sie totgebissen. "Ach der!" meinte Andrivs. "Seit der Fuchs in unseren Wald gekommen ist, gibt es keinen Frieden mehr." Kaum hatte Andrivs die Worte ausgesprochen, da kam auch ein Eichhörnchen herbeigeeilt und sprach: "Ach, lieber Freund, heute hat der Fuchs meinen Mann aufgefressen." Andrivs wiegte den Kopf und meinte: "Es tut mir so leid für euch, aber was kann ich tun. Alle müssen aufpassen und allen Tieren und Vögeln weitersagen, dass der Fuchs im Wald lebt und großes Unheil anrichten kann. Ach, wenn doch Odums bald heimkommen würde!" Als Odums nach Hause kam, brachte er einen vollen Sack mit Beeren und Pilzen mit. Andrivs erzählte ihm sogleich, welches Unglück der Fuchs angerichtet hatte. Odums dachte lange darüber nach und sagte schließlich: "Wir wollen jetzt zu Abend essen und dann schlafen gehen. Der Morgen wird klüger sein als der Abend." In der Nacht klopfte jemand an die Tür. Odums und Andrivs sahen, dass unter ihrer Haustür ein Kopf mit zwei Augen hervorkroch. "Wer da?" rief Odums aus und schlug dem Fuchs mit dem Kienspan aufs Maul. Der Fuchs aber kroch in die Stube hinein und sprach: "Ich wusste nicht, dass ihr hier wohnt, denn ich komme sonst nie in diese Gegend. Ich will bei euch wohnen, aber wenn es euch nicht passen sollte, dann macht, dass ihr sofort verschwindet!" Der Fuchs sperrte schon das Maul auf, um sie zu verschlingen. Odums und Andrivs verloren kein weiteres Wort. Sie verließen ihr Häuschen und begaben sich tiefer in den Wald hinein. Dort setzten sie sich hin und überlegten, was sie mit dem Fuchs machen sollten. Sie saßen so lange da, bis der Schlaf sie zu übermannen drohte. "Wir wollen so handeln, wie uns der Traum raten wird," sprachen sie noch zueinander. Dann schliefen beide Brüder ein und schliefen so lange, bis die Sonne aufging und sie weckte. Da fragte Andrivs seinen Bruder Odums, was er im Traum gesehen habe. Odums sagte: "Wir müssen trockenes Reisig sammeln, es vor unserer Haustür aufstapeln und anzünden. Unser Häuschen wird niederbrennen, aber mit ihm wird auch der Fuchs verbrennen." Gesagt, getan: sie sammelten trockenes Reisig, stapelten es vor ihrer Haustür auf und legten Feuer an. Der Fuchs, der um die Zeit noch ruhig in dem Häuschen schlief, erwachte und wunderte sich: Die Stube war voller Rauch. Der Fuchs erschrak gewaltig und lief hinaus — geradewegs in das Feuer hinein. Wohl konnte er entkommen, aber sein Schwanz hatte Feuer gefangen. In seiner Angst rannte er aus dem Wald aufs Feld hinaus, wo er sogleich von Bauern erblickt wurde. Sie fingen ihn und zogen ihm das Fell ab, um sich einen Pelz daraus zu machen. Odums und Andrivs kehrten in ihr Häuschen zurück und lebten darin so friedlich wie vorher. Alle Tiere und Vögel freuten sich, dass es den Bösewicht nicht mehr gab auf dieser Welt.

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