Vögel und andere Lebewesen

From Pasakas un teikas
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Gänse. Ein Bauer hatte in der Nähe des Seeufers Erbsen ausgesät. Wildgänse hatten die Erbsen entdeckt und waren noch vor dem Sonnenaufgang zur Stelle. Was sollte der Bauer tun? Er dachte lange darüber nach: Schlecht war es so und so: Würde er eine erschießen, würden die anderen davonfliegen. Wollte er sie erschlagen, so könnte es glücken, aber auch nicht glücken. Er kam zu keinem Entschluss. "Wartet nur!“, dachte er, "Ich werde Honig und Branntwein kaufen, beides mischen und neben die Erbsen hinstellen. Gedacht, getan. Gegen Morgen kam eine große Gänseschar herbeigeflogen. Die Gänse fraßen Erbsen, gingen an den Trog und tranken und fraßen wieder, bis sie nicht mehr konnten. Darauf hatte der Bauer nur gewartet. Er nahm einen Strick, band den Gänsen die Beine zusammen, wand sich das Ende des Strickes um den Leib und schickte sich an, die Gänse zu schlachten. Kaum hatte das Messer die Kehle der Gans berührt, als sie so laut aufschrie, dass alle Gänse plötzlich erwachten und sich unter lautem Geschrei in die Luft erhoben, wobei sie den Bauer mit sich rissen. Als sie einen See überflogen, hatte der Bauer Angst, ertrinken zu müssen; als sie einen Wald überflogen, hatte er wiederum Angst, in den Zweigen der Bäume hängen zu bleiben. So flogen sie lange Zeit. Plötzlich sieht er: Unter ihnen ist ein Moor. Vor Freude begann er gar zu lächeln. Es war, als hätte Gott selbst den Gänsen den Weg gewiesen. Ins Moor zu fallen, davor hatte der Bauer keine Angst, zog sein Messer hervor und schnitt den Strick durch. Als die Gänse den Aufprall hörten, glaubten sie an einen Schuss und flogen noch ärger schreiend davon. Der Bauer aber fiel wie ein Stein hinab und versank bis zur Brust ins Moor: Er war so tief eingesunken, dass er sich weder bewegen noch heraushelfen konnte. So hockte er einen ganzen Tag und noch einen zweiten, ohne sich befreien zu können. Der Hunger plagte ihn, aber es war nichts zu machen – er saß fest. Eine Elster umkreiste seinen Kopf, schrie und zog ihn an den Haaren, aber helfen konnte sie ihm nicht.

Zum Glück kam ein Wolf vorbeigelaufen. Der Bauer überlegte nicht lange: Er ergriff das Bein des Wolfes und — schwupp — war im nächsten Augenblick aus dem Moor heraus. Am dritten Tag fand sich der Bauer fast halb tot zu Hause ein. Wer kann die Freude von Frau und Kindern beschreiben! Seit der Zeit begannen die Wildgänse in einer Reihe zu fliegen, und so fliegen sie noch heute.

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